Ausgabe 25 / April 2011

Kleinauflagen in Offsetqualität zu wirtschaftlichen Konditionen

Manchmal fällt das wahre Leistungsvermögen einer Druckmaschine nicht sofort ins Auge. Deshalb sind bei Investitionsentscheidungen im Einzelfall auch positive Überraschungen möglich. Das haben die Verantwortlichen bei der schäfer-etiketten GmbH & Co KG im vergangenen Jahr erlebt, als sie bei eingehenden Drucktests auf ein Modell gestoßen sind, das die Leistungsvorgaben deutlich übertreffen konnte. Die Gallus TCS 250, um die es im vorliegenden Fall geht, machte am Ende des Auswahlverfahrens das Rennen. Seit Oktober 2010 produziert sie in Wolfschlugen/Deutschland und sorgt bei zahlreichen Aufträgen für hohe Qualität und verbesserte Wirtschaftlichkeit.

Gründlich vorbereitete Investitionsentscheidung

Die anhaltenden Steigerungen bei den Einstandspreisen, z.B. für Substrate, Druckfarben usw., rücken Aspekte wie Rüstzeiten und Makulatur noch stärker in den Brennpunkt als bisher. Gleichzeitig schrauben die Kunden ihre Qualitätsanforderungen in die Höhe und verhandeln immer härter bei den Preisen. Gerade in den Marktsegmenten Kosmetik oder Pharmazie, die für die Firma schäfer-etiketten einen Schwerpunkt darstellen, hat die Qualitätsfrage einen Trend zum Offsetdruck ausgelöst. „Aus diesem Grund“, so Jörg Gottlieb, Geschäftsführender Gesellschafter, „wollten wir unsere Produktionskapazität mit einer Offsetdruckmaschine ausbauen, die auch bei bestehenden Aufträgen eine noch wirtschaftlichere Fertigung ermöglicht.“

„Selten habe ich Kaufinteressenten erlebt, die derart gut vorbereitet zu den Drucktests in unser Anwendungszentrum gekommen sind, wie die Firma schäfer-etiketten“, erinnert sich Manfred Rath, Geschäftsführer Gallus-Group Vertriebs GmbH in Langgöns. Vier verschiedene Jobs wählte Jürgen Jachmann, Produktionsleiter bei schäfer-etiketten, nach einer eingehenden Analyse der Auftragsstruktur aus, um der Leistungsfähigkeit der Gallus TCS 250 auf den Zahn zu fühlen. Sie umfassten die Kombination von Druckverfahren, d.h. Sieb- und Offsetdruck, sowie verschiedene Veredelungen wie Folienprägung oder Flexolackierung. Im Raum stand eine gewisse Vorstellung, welchen Mengendurchsatz die geplante Neuanschaffung bewältigen sollte. In Wolfschlugen war man deshalb neugierig, ob eine Maschine mit einer Druckbreite von 254 mm und einer Leistung von 11 000 Takten pro Stunde diese Forderung würde erfüllen können.

Bild 1: (Von links:) Jürgen Jachmann (schäfer-etiketten), Manfred Rath (Gallus-Group Vertriebs GmbH) und Jörg Gottlieb (schäfer-etiketten).

 „Dass unsere vorab kalkulierten Ergebnisse bei allen Tests in St. Gallen deutlich übertroffen wurden, war für uns eine wirkliche Überraschung“, meint Jürgen Jachmann. „Dafür waren in erster Linie die sehr kurzen Rüstzeiten ausschlaggebend. Es war erstaunlich, wie schnell die Maschine in Register und Farbe ist.“ Da die Auftragsstruktur der Firma schäfer-etiketten etliche Jobs mit hoher Sortenvielfalt beinhaltet, sind kurze Rüstzeiten von extremer Bedeutung. „Bei mehr als 100 000 Etiketten denkt man zunächst an einen großen Auftrag. Wenn es sich dabei aber um acht verschiedene Sorten handelt, dann wird das Rennen in Sachen Wirtschaftlichkeit beim Rüsten gewonnen“, konstatiert Jörg Gottlieb. 

Hochwertig und vielfarbig

Anfang Oktober 2010 nahm die Gallus TCS 250 die Produktion in Wolfschlugen/Deutschland auf. Ihre Möglichkeiten fügen sich sehr gut in den vorhandenen Maschinenpark mit insgesamt 13 Druckmaschinen ein, so dass sie nach zwei Wochen im Praxiseinsatz bereits zweischichtig genutzt wurde. Die Aufträge für das Unternehmen schäfer-etiketten stammen vorwiegend aus vier Branchenbereichen. Die beiden wichtigsten sind Kosmetik und Pharmazie, die gemeinsam für etwa zwei Drittel des Umsatzes stehen. Die beiden anderen Branchen sind Lebensmittel und Chemie. In allen vier Bereichen dreht sich vieles um sehr hochwertige Etiketten mit besonderen Farbkombinationen. Dort sieht Jörg Gottlieb auch die Stärken seines Unternehmens. In der Folge gehört die Kombination verschiedener Verfahren seit langem zum Produktionsalltag, und Sieb- sowie Offsetdruck spielen wichtige Rollen bei der technischen Ausstattung. Schätzungsweise 70 % der Etiketten werden auf Folienmatierialien gedruckt.

„Besonders in der Kosmetikbranche, aber auch in den anderen Bereichen, konnten wir in den vergangenen Jahren beobachten, dass der Offsetdruck aufgrund seiner Qualitäten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat“, so Jürgen Jachmann. Da die Druckerei mit der Rollenoffsetrotation Drent VSOP über ein äußerst leistungsfähiges Modell verfügt, das seine Stärken hauptsächlich bei Großauflagen ausspielen kann, sollte mit der neuen Maschine eine „Abrundung des Offsets nach unten“ für die wirtschaftliche Produktion kleiner und mittlerer Auflagen erfolgen. Gleichzeitig galt aber nach wie vor der hohe Anspruch in Sachen Druckqualität.

Umfangreiche Ausstattung

Für diese Aufgaben ist die Gallus TCS 250 bei schäfer-etiketten mit acht Druckstationen ausgestattet; fünf davon sind Offsetdruckwerke und drei Stationen sind prozessvariabel, die entweder mit Sieb- oder Flexodruckeinheiten bestückt werden können. Mit den Druckwerken der Gallus TCS 250, die im Nassoffset produzieren, hat schäfer-etiketten in vergleichenden Druckversuchen mit wasserlosem Offsetdruck gute Erfahrungen gewonnen. Zum einen hat sich die konventionelle Verfahrensvariante mit Feuchtung bei der Farbdeckung als überlegen erwiesen, und zum zweiten ist das Wischwasser hilfreich, um Butzenbildung zu vermeiden.

Beim zusätzlichen Aggregat für die Heißfolienprägung, das mit beheizbarem Magnetzylinder und Prägeblechen arbeitet, schätzt Jürgen Jachmann neben der hohen Präzision die durchdachte Foliensparsteuerung und die günstigen Werkzeugkosten. Beim hohen Veredelungsgrad vieler Kosmetik-Etiketten bieten die vergleichsweise günstigen Preise der Prägebleche aus Magnesium einen spürbaren Kostenvorteil.

Im Stanzbereich kommt die semirotative Version zum Einsatz, die gegenüber der Alternative einer Flachstanze eine wesentlich reduzierte Baulänge der Maschine ermöglicht. Sowohl dadurch als auch durch den durchgängig geraden Bahnverlauf kann die Bahnlänge in der Maschine möglichst kurz gehalten werden, was unnötige Makulatur vermeidet. Zur Ausstattung zählt weiterhin eine automatische Registerregelung. Eine hinsichtlich des Qualitätsanspruches sinnvolle Ausrüstung ist zudem die Videobahnbeobachtung.

Potenzial der Maschine ausschöpfen

Als Heidelberg-Partner nutzt die Gallus-Gruppe die Möglichkeit, das Heidelberg Remote System (HEIRES) einzusetzen. In diese Online-Anbindung mit hoher Datensicherheit ist auch die Gallus TCS 250 bei schäfer-etiketten eingebunden. Auf diese Weise kann ein Servicetechniker auf Wunsch des Anwenders auf das System zugreifen, um Live-Unterstützung zu leisten, Protokolldateien zu analysieren, Diagnoseprogramme auszuführen oder Fehler zu beheben. Manfred Rath ist zuversichtlich, dass dieser Service von schäfer-etiketten selten in Anspruch genommen wird, da das Unternehmen über sehr gut qualifiziertes Druckpersonal verfügt: „Für uns als Lieferpartner ist es ein gutes Gefühl, wenn wir Personal an unseren Maschinen erleben, das deren Potenzial auch wirklich ausschöpfen kann.“ Dieses Kompliment gibt Jürgen Jachmann gerne zurück. Von den Bedienern der Gallus TCS 250 kommen durchwegs positive Rückmeldungen hinsichtlich Bedienerfreundlichkeit und es gab keinerlei Hürden in der Anlaufphase.

Somit ist Jörg Gottlieb optimistisch, die Maschine auf längere Sicht mit einer dritten Schicht auszulasten. Dass das Unternehmen - wie erwähnt - bereits nach zwei Wochen Produktion eine zweite Schicht einrichten konnte, ist dadurch zu erklären, dass viele Aufträge aus dem Bestand der übrigen Maschinen stammen und nicht alle neu akquiriert werden mussten. Durch die Verlagerung auf die Gallus TCS 250 lassen sich diese Jobs weitaus wirtschaftlicher fertigen. Gleichzeitig werden andere Maschinen entlastet, so dass neue Kapazitäten frei werden.

Bild 2: Mit der Gallus TCS 250 produziert schäfer-etiketten hochwertige Etiketten in kleinen und mittleren Auflagen.

Die Auflagenhöhe ist dabei nur eines von mehreren Kriterien, einen Auftrag an die Gallus TCS 250 zu verlegen, wie Jörg Gottlieb erklärt: „Sie ist sicher nicht die Maschine für Millionenauflagen, aber 100 000 oder 200 000 Etiketten darauf zu fertigen, kann durchaus wirtschaftlich sein, wenn der Veredelungsgrad oder andere Kriterien wie Kombinationsdruck, Weißvordruck für transparente Materialien, mehrere Sonderfarben, Spotlackierung, o.ä. für den translativen Offsetdruck sprechen.“ Dieses Leistungsvermögen deckt sich mit den hohen Erwartungen, die das Unternehmen an die Gallus TCS 250 hatte. „Deshalb würden wir die Maschine aus heutiger Sicht wieder kaufen“, meinen Jörg Gottlieb und Jürgen Jachmann unisono.


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