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Querdenken trägt Früchte für Al Mawrid - mit der Inline-Flexoproduktion von veredelten Faltschachteln

Als Al Mawrid, ein in Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässiges Druckunternehmen, den Entschluss fasste, für die Herstellung von Faltschachteln in eine Druckmaschine vom Typ Gallus ICS 670 zu investieren, brach es mit dem Trend. Denn bis dato hatte das Unternehmen alle derartigen Aufträge auf einer Reihe von Bogenoffsetdruckmaschinen von Heidelberg verarbeitet. Doch mit diesem Schritt begann es bezeichnenderweise, sein Verpackungsdruckangebot auf neue Marktsektoren auszuweiten. Nick Coombes hat die zur Thomsun Group gehörende Druckerei besucht, um herauszufinden, was hinter dieser bahnbrechenden Entscheidung stand.

Al Mawrid wurde Ende der 1970er-Jahre gegründet und gehört zu einem Konzern, der 1.500 Mitarbeiter beschäftigt und einen jährlichen Umsatz von 200 Millionen US-Dollar erwirtschaftet, mit Beteiligungen unter anderem in der Transport-, Logistik-, Supermarkt-, Bäckerei-, Nahrungsmittel- und Bauelektrikindustrie. Doch den Grundstein für Al Mawrid als Druckerei legte die Tätigkeit der Thomsun Group in der Musikbranche. Die Gruppe hat starke Bindungen zur Musik, agiert unter anderem für mehrere Musikinstrumentenhersteller als Nah-Ost-Vertreter und betreibt Musikschulen. Als vor etwa 35 Jahren der Bedarf an Etiketten und Hüllen für Ton- und Videokassetten stark anstieg, wurde das Unternehmen, das heute unter Al Mawrid firmiert, als Hausdruckerei der Thomsun Group aus der Taufe gehoben.

Al Mawrid Gallus ICS 670

Die speziell für Al Mawrid angefertige Gallus ICS 670 erstreckt sich über 50 Meter.

Heute nennt Al Mawrid zehn Bogendruckmaschinen von Heidelberg sein eigen, von kleinformatigen Einfarbenmaschinen bis hin zu drei Speedmaster-Druckmaschinen im B1-Format: darunter eine Vierfarbenmaschine mit Lackierwerk, eine Fünffarbenmaschine mit Lackierwerk, eine Fünffarben- und eine Achtfarben-Schöndruckmaschine (die in eine 4-über-4-Wendemaschine umgewandelt werden kann). T. K. Babukutty, der Geschäftsführer von Al Mawrid, erläutert das Wachstum seines Unternehmens: „Als firmeninterner Dienstleister sind wir in den Anfangsjahren ziemlich langsam gewachsen und haben die Investitionen von der Nachfrage der Gruppe bestimmen lassen: Das ist nicht die übliche Art, ein Unternehmen zu führen, aber wir haben dadurch eine solide Erdung erhalten. Als das Auftragsvolumen dann anzog, konnten wir auf die Ressourcen eines grossen Konzerns zugreifen, um neue Technik zu finanzieren.“

Während vor fünf Jahren der Akzidenzdruck noch 75 % der Druckproduktion des Unternehmens ausmachte, entfällt heute derselbe Anteil auf den Verpackungsdruck, hauptsächlich auf Faltschachteln. Der Nachfrageanstieg in diesem Bereich ist auf die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie zurückzuführen, aber auch auf die lokalen Tabakwarenhersteller, die Märkte im Nahen Osten, in Afrika und Asien beliefern. „Als die Nachfrage nach Zigarettenpackungen volumenmässig stieg, stellten wir fest, dass die herkömmlichen Produktionsverfahren auf den Offsetdruckmaschinen und Stanzen weniger rentabel wurden. Wir fassten den Entschluss, dass wir für eine Weiterentwicklung unseres Geschäfts in diesem Produktbereich in eine neue Art von Technologie investieren mussten – ein ‚Weiter so!‘ würde nicht funktionieren“, so Babukutty.

Da die meisten führenden Produzenten auf dem Zigarettenmarkt ihre Schachteln mit Rollentiefdrucktechnik bedrucken liessen, führte Al Mawrid eingehende Gespräche mit den entsprechenden Druckmaschinenherstellern. Doch das Unternehmen kam zu dem Schluss, dass für die Aufträge seiner Kunden angesichts der verwendeten Raster und Grafiken die Offsettechnik besser geeignet wäre als Tiefdruck. Auch Flexodruck wurde laut Babukutty in Betracht gezogen, und es fanden in dieser Phase Gespräche mit Gallus über mögliche Flexo-/Tiefdruck-Kombinationen statt. Doch die Qualität des Flexodrucks vor fünf Jahren konnte den Erwartungen der Kunden noch nicht standhalten. Erst die Einführung des HiDef-Flexodrucks brachte neuen Wind ins Spiel.

„Als das Problem mit der Flexodruckqualität behoben war, wussten wir, dass die Inline-Produktion der richtige Weg für die Herstellung von Zigarettenschachteln ist. Nach ausführlichen Verhandlungen mit Gallus kamen wir überein, die auf der Drupa 2012 ausgestellte Gallus ICS 670 zu kaufen, unter der Voraussetzung, dass sie gemäss unseren Anforderungen konfiguriert wurde“, erläutert Babukutty. Das Gallus System, das speziell für Al Mawrid gefertigt wurde, erstreckt sich über mehr als 50 Meter und umfasst eine automatische Rollenabwicklung, einen Bahnreiniger, zwei Stationen für Kaltfoliendruck oder Kaschierung (oder Flexodruck), zwei Tiefdruckwerke, sechs Flexodruckstationen, eine Flachbettstanze sowie einen Nutzentrenner mit Schuppenauslage.

Al Mawrid TK Babukutty

T. K. Babukutty, Geschäftsführer von Al Mawrid, ist von der Leistung der neu angeschafften Gallus Maschine überzeugt.

Die neue Gallus, die mit einem Wert von rund 4,5 Millionen Euro zu Buche schlägt, hat eine mechanische Spitzennennleistung von über 200 m/min. Nur 10 Wochen nach Beginn der kommerziellen Produktion läuft die Maschine nach Angaben von Al Mawrid schon regelmässig mit rund 180 m/min – im Doppelschichtbetrieb, wobei in Kürze auf einen 24/7-Betrieb umgestellt werden soll. Die Geschwindigkeit beim Kaltfoliendruck sinkt den Bedienern zufolge nur geringfügig, auf rund 150 m/min. Diese Geschwindigkeiten werden derzeit mit Karton von 200–250 g/m² erzielt, wenngleich die Maschine laut Gallus auch Substrate bis 600 g/m² mühelos verarbeiten kann.

Laut Babukutty konnten mit der neuen Gallus ICS 670 nicht nur zahlreiche Neuaufträge gewonnen, sondern auch die Produktionseffizienz bei bestehenden Aufträgen verbessert werden. Die Maschine sorgt für hohe Druckqualität, unabhängig davon, ob sie mit UV- oder wasserbasierten Flexofarben betrieben wird. Das führt zu dem Problem, dass Al Mawrid gelegentlich Beschwerden von seinen Kunden bezüglich der stark verbesserten Druckqualität erhält. Anscheinend herrscht in einigen Märkten die Ansicht, dass die mit der Gallus gedruckten Zigarettenschachteln zu gut sind und deswegen nachgemacht sein müssten – vielleicht das erste Beispiel, wo eine Verbesserung als Fälschung erachtet wird!

Bei potenziellen Neuaufträgen für die Gallus ICS 670 werden in der Regel zunächst einige Druckproben erstellt, auf die im Erfolgsfall die Bestellung einer limitierten Auflage von vielleicht 500.000 Schachteln für Probemarketing folgt. Erst dann wird der Auftrag für die eigentliche Druckauflage erteilt, die in die mehreren Millionen gehen kann. Bisher lagen die kommerziellen Auflagen bei Al Mawrid zwischen 100.000 und 10 Millionen. Aktuell zeichnet sich eine Veränderung in der Nachfrage nach Zigaretten im neuen „Slim“-Format ab, die dieselbe Länge, aber einen kleineren Durchmesser haben und daher schmalere Schachteln benötigen.

Die Tiefdruckwerke werden in erster Linie für Metallic- und Sonderfarben verwendet, kommen aber trotz ihrer Nützlichkeit nur bei 20–25 % aller Aufträge zum Einsatz. Babukutty führt aus: „Sie geben uns Produktionsflexibilität und die Möglichkeit zur Veredelung, aber ich rechne beim Tiefdruck mit keinem signifikanten Nachfrageanstieg. Es ist daher unwahrscheinlich, dass wir sie bei künftigen Investitionen wieder in die Spezifikation mit aufnehmen würden.“ Die Gallus ICS 670 wird vorwiegend für Tabak- und Kosmetikverpackungen eingesetzt, bei denen eine Veredelung erforderlich ist. Für jene Kunden, die weiterhin offsetgedruckte Schachteln in Auftrag geben, werden die Speedmaster und Bobst-Stanzen am Laufen gehalten. Ausserdem greift Al Mawrid immer dann auf seine Bogendruckkapazitäten zurück, wenn keine Veredelung gewünscht wird oder der Preis ein grösseres Problem darstellt.

„Wir haben umfassende Marktforschung unter unseren Kunden betrieben, bevor wir in die Inline-Flexotechnologie investiert haben. Die meisten von ihnen hatten ihre Flexo- und Tiefdruckaufträge zuvor ausserhalb der VAE vergeben. Wir wollten herausfinden, inwieweit wir ihr Einkaufsverhalten beeinflussen könnten, wenn wir diese Möglichkeit in Schardscha anbieten würden. Denken Sie daran, wir sind gewachsen, indem wir unsere Investitionen durch die Nachfrage haben bestimmen lassen – und wir hatten nicht vor, einen kostspieligen Fehler zu machen“, so Babukutty, der voller Einsatz auch hohe Investitionen in die Druckvorstufe getätigt und die Anwerbung und Schulung neuer Mitarbeiter forciert hat, damit die Gallus Maschine die ausgelobte Leistung bringen kann.

Gallus ICS 670 Al Mawrid

Die neue Gallus ICS 670 wird schon bald auf einen 24/7-Betrieb umgestellt werden.

Jetzt verfügt das Unternehmen seiner Ansicht nach über die perfekte Mischung an Ressourcen für die Faltschachtelproduktion: mit einer Druckmaschine und einem Prozess, die für alle Anforderungen und Veränderungen in der Nachfrage gerüstet sind. „Im Idealfall“, so Babukutty, „müssten wir die Gallus ICS 670 rund um die Uhr laufen lassen, damit sie ihre grösstmögliche Kosteneffizienz erreicht. Die Rüstzeit und Makulatur bei einer Druckmaschine dieser Länge machen sie zu einem Spezialisten für mittlere und hohe Auflagen mit Veredelung. Wir haben deshalb vor, sie nach Möglichkeit zwei oder drei Tage ununterbrochen an einem Auftrag arbeiten zu lassen.“

Künftige Pläne drehen sich um die Konsolidierung des grossen Investitionsprogramms, das in den Monaten seit der Drupa 2012 stattgefunden hat. Die nächsten Maschinen werden wahrscheinlich eine weitere Bogenkartondruckmaschine und eine Stanze sein, denn es ist erklärtes Ziel des Unternehmens, sich mehr in Richtung Premiumbereich und grösserer Differenzierung zu bewegen. Rückblickend auf seine lange Erfahrung im Unternehmen, insbesondere im Akzidenzdruck, stellt Babukutty fest: „Unsere Kunden wissen es zu schätzen, dass wir immer weiter in die neueste Technologie investieren. Sie glauben, dass ihnen das hilft, ihre Probleme zu lösen und ihr Geschäft auszubauen. Für uns dreht sich alles darum, zuzuhören, zu verstehen und Unterstützung zu leisten – sei es nun bei der Einhaltung eines kurzfristigen Liefertermins oder bei der Verlängerung eines Zahlungsziels.“

Es gibt einen guten Grund, warum viele der Kunden von Al Mawrid dem Unternehmen auch nach 25 Jahren noch die Treue halten. „Das moderne Geschäftsleben scheint Beziehungen wenig Wert beizumessen. Das ist hier bei uns anders – und unser Erfolg beweist, dass es funktioniert. Wir legen Wert darauf, dass auch unsere Lieferanten uns jederzeit dieselbe Unterstützung zukommen lassen“, bilanziert Babukutty.

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