Ausgabe 27 / September 2011

Kunststoffetiketten und ihre Herausforderungen

Im Jahr 2010 wurden weltweit 43.4 Milliarden Quadratmeter Etiketten verbraucht, was einem globalen Wachstum der Etikettenindustrie von rund 5.5% entspricht. Der Anteil an Kunststoff- oder Folienetiketten nimmt im Vergleich zu den Papieretiketten stetig zu. Letztere verlieren ihren Anteil vor allem an die Monofolienetiketten ohne Silikonträger und an die Selbstklebeetiketten aus Kunststoff. Im vorliegenden Artikel wird deshalb auf die möglichen Gründe für den Erfolg der Kunststoffetiketten und auf die zukünftigen Herausforderungen eingegangen.

Gründe für die Verwendung von Kunststoffetiketten

Nachfolgend sollen zuerst die einzelnen Glieder der Wertschöpfungskette nach möglichen Gründen für die zunehmende Verwendung von Kunststoffetiketten untersucht werden. Danach wird kurz auf die technologischen Weiterentwicklungen in der Etikettienfamilie und ihre Einflüsse eingegangen, bevor eine kurze Evaluierung der Trends bei Selbstklebeetiketten diesen Artikel abschliessen wird.

Die Konsumenten: Zunehmend werden Fertiggerichte mit entsprechend dosierten Getränken konsumiert. Der Bedarf an sogenannten Convenience-Verpackungen nimmt stetig zu. Im Getränkesektor sind dies vor allem PET-Flaschen, während es sich im Lebensmittelbereich hauptsächlich um wiederverschliessbare Kunststoffverpackungen handelt. Diese PET-Flaschen und Kunststoffverpackungen werden heute meist noch mit Papieretiketten bestückt. Da die Nachfrage nach Kunststoffrecycling stark zunimmt und die Papieretiketten Schwierigkeiten bei der Trennung der Rohstoffe verursachen, werden sie nun vermehrt sowohl durch selbstklebende als auch durch nicht selbstklebende Kunststoffetiketten ersetzt.

Der Einzelhandel: Beim Vergleich der Umsätze von Einzelhandelsunternehmen und Brandownern ist festzustellen, dass die Einhandelsunternehmen deutlich umsatzstärker sind als die Brandowner. Im Jahr 2010 erzielte zum Beispiel der Einzelhandelsgigant Wal-Mart einen Umsatz von 410 Mrd. USD, der FMCG-Riese Nestlé vergleichsweise „nur“ 110 Mrd. USD. Der Einzelhandel ist heute mit den Eigenmarken (Handelsmarken) in allen Bereichen der Konsumgüter vertreten. Diese Produkte sind meist preiswerter als die Markenprodukte und werden daher vorwiegend mit günstigeren Etiketten ausgerüstet. So entsteht eine Wettbewerbssituation zwischen den Eigenprodukten der Einzelhandelsunternehmen und den Markenartikeln.

Der Einzelhandel stellt aber auch den Hauptantriebsgrund für mehr Nachhaltigkeit innerhalb der Wertschöpfungskette dar. Nach der Einführung von „Sustainablity Scorecards“ für Lieferanten konnte man erreichen, dass die Nachhaltigkeit in jedem Fertigungsschritt der Konsumgüter von der Herstellung über die Lagerung bis hin zur Lieferung unter die Lupe genommen wird. Der Einzelhandel gibt den Lieferanten vor, die Verpackungsmaterialien zu recyceln und wieder zu verwerten. Wie bereits erwähnt, werden aber gerade beim Kunststoffrecycling Kunststoffetiketten bevorzugt.

Der Brandowner: Einerseits versuchen die Brandowner durch Produktinnovation und Produktdifferenzierungsmerkmale die Markenprodukte von den Handelsmarken abzuheben, anderseits werden sie durch den steigenden Wettbewerb mit den Handelsmarken gezwungen, zu preiswerteren Produktdekorationsmöglichkeiten zu greifen.

Aufgrund dieses Spannungsfeldes haben sich fast alle Brandowner vorgenommen, in den kommenden Jahren die CO2-Spuren an ihren Produkten zu reduzieren. Folgende Massnahmen werden dafür in Betracht gezogen:

• Reduktion der Dicke von Verpackungs- und Etikettenmaterialien
• Effizienzsteigerung bei der Etikettenherstellung und Logistik
• Reduktion des Energieverbrauchs bei der Fertigung (Etikettenherstellung)
• Einsatz von Produkten mit niedrigem CO2 -Fussabdruck

Mit der Berücksichtigung dieser Nachhaltigkeitsanforderungen sollen die Kosten pro Etikette gesenkt werden, was zu einem erhöhten Preis-/Leistungsdruck für die Etikettendrucker führt.

Die Rohstoffpreise: Auch im Jahr 2010 sind die meisten Rohstoffpreise wieder drastisch angestiegen. Von Interesse für den Etikettendrucker ist dabei vor allem der Papierpreis, welcher viel stärker als derjenige von Polyethylen (PE) angestiegen ist. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen und führt zu vermehrtem Einsatz diverser Kunststoffetiketten.

Wenn man nun einen Blick auf die Etikettenfamilie wirft, wird man leicht feststellen, dass sie in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Mit den neuen Etikettiertechnologien kommen nun vermehrt diverse Kunststofffolien zum Einsatz.

Abbildung 1: Die Etikettenfamilie

Neue Applikationsbeispiele sind z.B. die Liner-less Etiketten, welche selbstklebend sind, aber keinen Silikonliner haben. Die Liner-less Etiketten bieten so ökologische und ökonomische Vorteile für ihre Anwendungsgebiete. Auch die auf PE basierenden Stretchsleeve-Etiketten (TripleS®) mit erhöhtem Schrumpfwert eröffnen Möglichkeiten zur Kosten- und Materialeinsparung. Mit den neuen MD Shrinksleeve-Etiketten hingegen kann man von der Rolle (Flachfolien und kein Schlauch) direkt auf dem Behälter applizieren, wobei man einen Arbeitsgang spart, da man nach dem Drucken keinen Schlauch zu formen braucht.

Abbildung 2: Beispiel eines  ½ Rundumetiketts

Die Firma Krones hat vor einiger Zeit das ½ bzw. Teil- Rundumetikett vorgestellt. Diese Etiketten werden in einer Wrap-around-Etikettieranlage appliziert, umfassen aber nur einen Teil des Flaschenumfangs, was zu Material- und Kosteneinsparungen führt. Eine weitere Neuheit sind die vorgeleimten Cut & Stack Etiketten, bei denen der Klebstoff in-line in der Druckmaschine aufgetragen wird oder das Etikettenmaterial bereits vorher mit Kleber versehen ist. Dieser Kleber ist bei Raumtemperatur nicht klebrig, d.h das Etikettenmaterial hat keinen Silikonträger. Die Etiketten werden dann beim Applizieren mit einem IR-Strahler aktiviert.

Die Trends beim Etikettenmaterial von Selbstklebeetiketten lassen sich wie folgt in drei Aspekte unterteilen:

Der Anteil an Papieretiketten bei der Verwendung von Selbstklebeetiketten macht derzeit ca. 70% aus. Der Anteil an Selbstklebeetiketten aus Papier wird in Zukunft abnehmen. Die Hauptgründe dafür sind:

• Schlechte Beständigkeit gegen chemische Stoffe und Feuchtigkeit
• No-label-look Applikation ist nicht möglich
• Möglichkeit zur Gewichtreduktion ist deutlich eingeschränkt

Die Verwendung von  Kunststoffen als Etikettenmaterial,  die momentan einen Anteil von ca. 30% ausmachen, wird aus folgenden Gründen zunehmen:

• No-label-look ist möglich
• Lang haltbar
• Gutes Quetsch- und Rollverhalten
• Gute Haptik
• Gewichtsreduktion möglich
• Dünnfolienliner bringt Preisvorteile bei Transport

In den kommenden Jahren werden wir sehen, dass auch die Papierträgermaterialien (Glassine und Kraftliner) durch PP (Polypropylen) und PET (Polyethylenterepthalat) substituiert werden. Die Gründe dafür sind:

• Niedrigere Materialkosten
• Die Reduktion der Dicke von OPP und PET ist besser als Glassine und Kraftliner (OPP 25µm, PET bis 12µm)
• Mehr Material auf einer Rolle (Laufmeter/Rolle)
• Glättere Oberfläche als Glassine und Kraftliner und somit besser geeignet für No-label-look Etiketten
• Recyceln von OPP und PET ist global besser möglich als Glassine- und Kraftliner.

Zukünftige Herausforderungen mit Kunststoffetiketten

Selbstklebeetiketten

Das selbstklebende Folienetikettensubstrat ist im Vergleich zum Papier hitzeempfindlich und durch die Dickenreduktion wird das Verbundmaterial sogar noch hitzeempfindlicher. Die Materialien können in Druckmaschinen ohne Kühlwalze und ohne Registerregelung nicht verarbeitet werden.
Das Etikettenverbundmaterial aus Kunststoff ist zudem glatter als der Etikettenverbund mit Papierliner und kann in der Druckmaschine Schlupf oder seitlichen Verlauf verursachen. Daher wird in der Druckmaschine eine sehr gute Bahnführung benötigt, um eine gute Registerhaltigkeit zu erreichen.

Monofolienetiketten

Diese Materialien ähneln den Verpackungsfolien: Sie haben kein Trägermaterial, daher sind sie nicht nur hitzeempfindlich, sondern auch dehnungsempfindlich und haben sehr glatte Oberflächen. Im Vergleich zu Selbstklebeetiketten stellen die Monofolienetiketten deshalb noch höhere Anforderungen an die Etikettendrucker, denen nicht selten das Applikations-Know-How für die Monofolienetiketten fehlt. Im Vergleich zu Selbstklebeetiketten muss der Etikettendrucker die Monofolienetiketten zu Beginn der Produktion bzw. spätestens bis zur Auslieferung einem Applikationstest unterziehen. Dieser zeigt z.B., ob der erforderliche Schrumpfwert eines Shrinksleeveetiketts nach dem Drucken beeinträchtigt worden ist oder nicht.

Aufgrund der Rohstoffknappheit wird weltweit eine Erhöhung  der PET-Flaschen Recyclingsquote angestrebt. In Ländern, wo noch kein PET-Recycling vorhanden ist, wird die Wiederaufbereitung und –verwertung von PET ebenfalls Zug um Zug aufgebaut werden. Bei dem PET-Recycling werden die alten PET-Flaschen nach der Vorsortierung und nach dem Vorwaschen zusammen mit dem Verschluss und dem Etikett zerkleinert.

Abbildung 3: Schematische Darstellung der Kunststofftrennung nach spezifischer Dichte im Schwebe-Senkverfahren

Diese zerkleinerten Teile, die sogenannten Flakes, werden in einen Flotationsbehälter  gegeben, wo unterschiedliche Kunststoffe im Schwebe-Senk-Verfahren nach ihrer spezifischen Dichte getrennt werden. Wenn die spezifische Dichte der Etikettenmaterialien identisch mit dem PET (1,39) ist bzw. sich kein grosser Unterschied zwischen der PET-Dichte und derjenigen des Etikettenmaterials ergibt, können die bedruckten Etikettenmaterialien nicht von dem reinen PET getrennt werden (siehe Abb. 3 ). Es müssen deshalb andere Lösung gefunden werden, damit bestimmte Folienmaterialien auch in Zukunft für die Etikettierung eingesetzt werden können.

Zusammenfassung

Die ökologischen und ökonomischen Anforderungen aus der Wertschöpfungskette nehmen stetig zu und werden dies auch in Zukunft tun. Alle Beteiligten der Etikettendruckindustrie, d.h. die Rohstoffhersteller, Druckmaschinenhersteller, Farbhersteller und Etikettendrucker, werden sich künftig daran orientieren und dem Markt entsprechende Lösungen vorstellen müssen.

Der Anteil an Selbstklebeetiketten aus Kunststoff wird weiterhin schneller wachsen als der Anteil der Etiketten aus Papier. Die neuen, dünnen, selbstklebenden Kunststoffetiketten werden neue Märkte erobern und können Monofolienetiketten und Nassleimetiketten aus Papier verdrängen.

Die Etikettendrucker (Narrow-web) müssen sich in Zukunft mit Monofolienmaterialien intensiver auseinandersetzen. Es geht dabei nicht nur um Kunststoffetiketten, sondern auch um flexible Verpackungen. Diese werden, bedingt durch die Sortenvielfalt von Konsumgütern und den damit verbundenen, kleiner werdenden Auflagen, künftig auch auf Schmalbahnendruckmaschinen bedruckt werden.

Die gesetzliche Bestimmung in Bezug auf PET-Recycling könnte Monofolienmaterialien mit höherer spezifischer Dichte gefährden, wenn keine neuen Lösungen entwickelt werden.

Kontaktieren Sie uns, gerne stehen wir Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung.


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