Ausgabe 26 / Juni 2011

2 Jahre Gallus ECS 340 – Eine Standortbestimmung

Die Gallus ECS 340 begründete 2009 eine neue Ära für die wirtschaftliche Herstellung von Commodity Etiketten. Unter Einsatz neuster Technologien und in der Etikettenindustrie erstmalig eingesetzter Baustoffe ist ein produktives Maschinenkonzept mit faszinierendem Design und sehr hoher Innovationskraft entstanden. Zwei Jahre nach der äusserst erfolgreichen Markteinführung der Gallus ECS 340 ist es an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.
Was Etikettendrucker zur Gallus ECS 340 meinen und wie sich die Gallus ECS 340 weiterentwickeln wird, soll in der nächsten Ausgabe behandelt werden.

Innovation in Krisenzeiten – ein Rückblick in das Jahr 2009

Das Jahr 2009 ist geprägt von der globalen Finanzkrise, insbesondere in industrialisierten Ländern. Die ökonomischen Aussichten und Wachstumsraten werden deutlich nach unten korrigiert, es herrscht grosse Verunsicherung. Obwohl der Konsum von täglichen Gütern und damit der Einzelhandel sich relativ krisenresistent zeigen und der weltweite Substratverbrauch nur unwesentlich beziehungsweise kurze Zeit einbricht, wirken sich die trüben Aussichten auch auf die Etikettenindustrie aus. In der gesamten Wertschöpfungskette werden Lager zurückgefahren und grössere Investitionen vorerst zurückgestellt. Gleichzeitig akzentuiert sich jedoch auch folgender Trend: Bestrebungen zur Effizienzsteigerung im bestehenden Wertschöpfungsprozess des Etikettendrucks nehmen massiv zu. Abläufe werden verbessert, Fehlerquoten reduziert und Stillstandzeiten eliminiert. Die gesamte Branche macht in kurzer Zeit nochmals einen deutlichen Schritt hin zur industriellen, hocheffizienten Fertigung von Etiketten. Durch den verstärkten Optimierungstrend wird eines klar: Neue Maschinengenerationen müssen noch viel mehr als bisher auf die Effizienz im Etikettendruck ausgelegt sein.

Eine erstmals an der Labelexpo 2009 der breiten Öffentlichkeit vorgestellte Gallus Maschine scheint perfekt zu den  vorherrschenden Bedürfnissen zu passen, wurde sie doch unter dem Arbeitstitel RTM („Reduce to the Max“ also Reduktion auf das Wesentliche) entwickelt. Offiziell auf den Namen Gallus ECS 340 getauft (Gallus Essential Converting System), basiert sie auf einem Kern aus technischem Granit, was ein Maschinenkonzept mit sehr kurzem Bahnlauf für minimale Makulatur, kürzeste Rüstzeiten und eine ausgesprochen einfache Bedienung ermöglicht. Bei der Entwicklung der Maschine wurden alle Gallus Produktivitätselemente verwendet, die sich schon vorher hervorragend auf dem Markt bewährt haben. So sind Druckplattenzylinder und Rasterwalzen als Sleeves ausgeführt, was sehr schnelle Jobwechsel ermöglicht. Dies wird durch das Farbkammerrakelsystem für schnellste Farbwechsel sowie eine abluftfreie UV-Trocknungsanlage ergänzt. Ausserdem verfügt die vollständig servoangetriebene Maschine über gekühlte Gegendruckzylinder, was zu einer sehr hohen Substratflexibilität führt. Zugeschnitten auf den Bereich der Commodity Etiketten ist diese Maschine mit einem äusserst attraktiven Preis versehen, und dies ohne Kompromisse hinsichtlich Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Der Schlüssel des Erfolgs der Gallus ECS 340

Um den Ansprüchen nach mehr Effizienz gerecht zu werden, war es bei der Entwicklung der Gallus ECS 340 notwendig, konventionelle Denkpfade zu verlassen und neue Konzepte, Materialien und Technologien einzusetzen. Deshalb wurde auch der Arbeits- und Projekttitel „Reduce to the Max“ verwendet.

Die Gallus ECS 340 mit einem Kern aus technischem Granit

Dabei lässt sich das Maschinenkonzept im Wesentlichen auf drei Erfolgsfaktoren zurückführen:

- Die Maschinenbasis besteht aus technischem Granit:

Der Granit weist im Vergleich zu Stahl oder Aluminium eine vielfach bessere Dämpfungseigenschaft sowie eine exzellente thermische Belastbarkeit auf. Beides sind Voraussetzungen für eine exzellente Laufruhe auch bei hohen Geschwindigkeiten.
Zudem ermöglicht der Granitkern die sogenannte Cantilever Bauweise. Darunter versteht man die einseitige Aufhängung der tragenden Komponenten. Der Vorteil dieser Bauweise ist die freie Zugänglichkeit aller Funktionen von der Bedienseite her. Rüstzeiten können so signifikant reduziert werden.

- Durch einen gekühlten Gegendruckzylinder entfällt die Notwendigkeit einer Kühlwalze:

Dadurch lässt sich ein extrem kurzer Bahnlauf von nur gerade 1.1 Metern zwischen zwei Druckwerken realisieren. Eine 8 Farbenmaschine kommt so mit einer Bahnlänge von nur gerade 11 Metern aus. Die so realisierten Makulatureinsparungen führen speziell bei wenig veredelten Commodity Applikationen (Substratkosten können hier bis zu 50% der Gesamtkosten betragen) zu erheblichen Kosteneinsparungen. So reduziert die Gallus ECS 340 den durchschnittlichen Substratabfall um bis zu 10 Tonnen oder 40'000 Euro pro Jahr.

- Beim Etikettendruck ist der Trocknungsprozess der grösste Energieverbraucher:

Das neuartige, gekapselte UV-Trocknungssystem der Gallus ECS 340 ist komplett abluftfrei. Durch eine bedarfsgerechte Leistungsregelung der UV-Lampen während des Druckprozesses sowie möglichst tiefen Standby-Verbräuchen wird der Energieeinsatz auf ein Minimum reduziert. Die Energiekosten können so um bis zu 10'000 Euro pro Jahr reduziert werden. Wie die UV-Trocknung ist auch die gesamte Maschine wassergekühlt, die Abwärme liegt somit im Wasser gebündelt vor und kann bei Bedarf weiterverwendet werden. So können weitere Energieeinsparungen in der Grössenordnung des Energiebedarfs von bis zu 3 Einfamilienhäusern realisiert werden.

Diese drei Erfolgsfaktoren wurden mit den bewährten Konzepten wie Frontbeladung durch Sleevesysteme, Farbkammerrakel und Servotechnologie kombiniert. In der Summe entstand so ein äusserst leistungsfähiges und effizientes Maschinensystem für die Herstellung von Commodity Etiketten.

Wie hat sich die Maschine auf dem Markt etabliert?

Bereits bei der Markteinführung während der Labelexpo 2009 wurde klar: Diese Maschine traf den Nerv der Zeit wie keine andere! Das Echo von Publikum und Fachpresse war überwältigend positiv und dieser Trend schlug sich dann auch in den Verkaufszahlen nieder. Bereits nach drei Monaten wurde die 20ste Gallus ECS 340 verkauft. Auch in den folgenden Monaten hielt die hohe Nachfrage nach der Maschine an. Nun, beinahe zwei Jahre nach der Markteinführung der Gallus ECS 340, darf man behaupten, dass sich die ursprünglichen Zielsetzungen für die Interpretation und Gestaltung einer hocheffizienten Etikettendruckmaschine für Commodity Etiketten bestätigt haben.

Verlief alles nach Plan? – Nein,  natürlich nicht. Zum einen ist klar, dass eine so sprunghaft ansteigende Nachfrage die Logistik eines Unternehmens fordert. Zum zweiten hat Gallus eine spannende Lernphase durchlebt und das Potential dieser Maschine zu Anfang unterschätzt. Ein interessanter Trend ist z.B. die sogenannte duale Plattformstrategie: Erhebungen von Gallus zeigen, dass mehr als 50% der Etiketten keine oder nur geringste Veredelung aufweisen, aber trotzdem mehrheitlich auf Maschinen mit einer sehr hohen Prozessflexibilität hergestellt werden. Die Möglichkeiten eines Maschinensystems mit hoher Prozessflexibilität werden so nur begrenzt genutzt. Im Zuge der kontinuierlichen Optimierungsbestrebungen wird nun immer mehr dazu übergegangen, dies auch bei der Beschaffung von Druckmaschinen zu berücksichtigen: Für hochveredelte Etiketten werden nach wie vor multiprozessfähige Maschinen eingesetzt. Für nicht oder wenig veredelte Etiketten wird aber konsequent auf die Multiprozessfähigkeit verzichtet und dafür umso mehr Wert auf die Auftragswechseleffizienz gelegt. So wird eine Druckmaschine maximal ausgelastet und im Kostenoptimum betrieben.

Keine Überraschungen gab es hingegen in der Funktionsstabilität der Gallus ECS 340 respektive beim Gesamtkonzept der Maschine. Für den meisten Gesprächsstoff sorgte sicherlich die Maschinenbasis aus technischem Granit. Dabei zählt nicht nur, dass letzterer den Bau einer Druckmaschine stark vereinfacht hat, was sich in einem attraktiven Maschinenpreis widerspiegelt. Technischer Granit hat auch äusserst positive Auswirkungen auf das Druckergebnis und die Wirtschaftlichkeit einer Druckmaschine. Trotzdem musste hier zu Beginn relativ viel Aufklärungsarbeit im Markt geleistet werden.

So ist zum Beispiel die irrtümliche Annahme verbreitet, dass Granit ein sehr schwerer und leicht zu beschädigender Werkstoff sei. Richtig ist aber, dass Granit in etwa gleich leicht wie Aluminium, also zirka dreimal leichter als Stahl ist. Zudem gilt Granit auch als äusserst zäh. Zwar kann die Oberfläche unter entsprechendem Kraftaufwand beschädigt werden, auf die Integrität des Quaders selber hat dies jedoch keinen Einfluss. Hinzu kommen sehr gute Dämpfungseigenschaften.

                                                                                                                       Dämpfungseigenschaften von Granit

Je besser auftretende Vibrationen von der Maschinenbasis absorbiert werden können, desto höher ist die Laufruhe einer Maschine und somit die erzielbare Produktionsgeschwindigkeit und Druckqualität.

Zusammenfassend sind wir mit dem heutigen Status der Gallus ECS 340 sehr zufrieden. Etikettendrucker, welche die Gallus ECS 340 einsetzen, konnten einen signifikanten Effizienzsprung erfahren und ihre Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit erheblich ausbauen. Mehrfache Wiederholbestellungen bestätigen unsere Sichtweise. So betreiben bereits zwei Kunden jeweils mehr als vier Maschinen.

Wie Etikettendrucker die Gallus ECS 340 beurteilen und wie sich dieses Maschinensystem in Zukunft weiterentwickelt, wird in der nächsten Ausgabe behandelt werden.


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