Ausgabe 25 / April 2011

Lebensmittelrecht und Verpackung

Lebensmittelrecht und Verpackung 

Die Umsetzung der neuen rechtlichen Vorgaben der EU aus dem Jahr 2010 ist die grosse Herausforderung der Verpackungs- und Produktdekorationsindustrie in den kommenden Jahren. Es wird nicht einfach sein die Gesetzeskonformität mit den bestehenden Lebensmittelkontaktmaterialien zu erzielen und einzuhalten. Der vorliegende Artikel soll einen Überblick über das Mammutwerk der EU-Verordnungen und Richtlinien der Lebensmittelindustrie geben.

Strategische Schwerpunkte des EU-Lebensmittelrechts

Das Regelwerk der Lebensmittelsicherheit ist die Verordnung (Jan.2000) / Reg. (EC) No 178/2002. Die strategischen Schwerpunkte dieser Verordnung können wie folgt zusammengefasst werden:

- Umsetzung eines integrierten Konzepts „Vom Erzeuger zum Verbraucher“.
- Bislang geltende Vorschriften werden bei Bedarf überarbeitet und durch wissenschaftliche Gutachten ausgebaut
- Einbeziehung aller Beteiligten der Lebensmittelwertschöpfungskette
- Verschärfung der Kontrollen vom Erzeuger bis zum Verbraucher
- Durchsetzung der Prinzipien „Sicherheit von Lebensmitteln steht an erster Stelle“ und „Akteure (Unternehmer) der Futter- und Lebensmittelwirtschaft tragen die Verantwortung“
- Jeweilige Mitgliedstaaten sind für die Überwachung und Kontrolle zuständig.
- Die Europäische Kommission prüft anhand von Audits und Kontrollen, inwiefern die Mitgliedstaaten ihrer Aufsichtspflicht nachkommen
- Sicherstellung eines hohen Niveaus des Gesundheits- und Verbraucherschutzes im Sinne einer vorausschauenden neuen Lebensmittelpolitik

Grundsätzlich werden mit dieser Verordnung verstärkt die Lebensmittel- und Futtermittelhersteller in die Pflicht genommen. Die European Food Safety Authority (EFSA) will so in der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette mehr Sicherheit und Transparenz schaffen. Hauptansatzpunkte sind dabei:

Sicherheit: Die Unternehmer dürfen keine nicht sicheren Lebens- und Futtermittel in den Verkehr bringen.

Verantwortung: Die Unternehmer sind für die Sicherheit der Lebens- und Futtermittel, die sie einsetzen, befördern, lagern, oder verkaufen, verantwortlich.

Rückverfolgbarkeit: Die Unternehmer müssen in der Lage sein, alle Lieferanten und Empfänger rasch festzustellen.

Transparenz: Die Unternehmer unterrichten unverzüglich die zuständige Behörden, wenn sie Grund zur Annahme haben, dass ihre Lebens- oder Futtermittel nicht sicher sind.

Sofortmassnahmen: Die Unternehmen nehmen Lebens- und Futtermittel unverzüglich vom Markt, wenn sie Grund zu der Annahme haben, dass diese nicht sicher sind.

Prävention: Die Unternehmer identifizieren und überprüfen regelmässig die kritischen Punkte in ihren Verfahren und stellen sicher, dass an diesen Punkten Kontrollen durchgeführt werden.

Zusammenarbeit: Die Unternehmer arbeiten bei Massnahmen, die der Verringerung von Risiken dienen, mit den zuständigen Behörden zusammen.

Abbildung 1: EU-Lebensmittelrecht Reg. (EC) No 178/2002

Überblick der Verpackungsrichtlinien und -regelungen

In Abbildung 1 ist der Gesamtüberblick über die EU-Lebensmittelverordnung dargestellt, worin auch die Regelungen für das Lebensmittelkontaktmaterial (Food Contact Material (FCM)) integriert sind. Nachstehend ist in Abbildung 2 der rechtliche Rahmen für die FCM-Verordnung im Detail abgebildet. Daraus ist ersichtlich, was auf einen Druckbetrieb zukommen kann, beziehungsweise worauf Zulieferer von Verpackungen oder Etiketten für die Lebensmittelindustrie zu achten haben.

Abbildung 2: EU Rechtlicher Rahmen für FCM

Die Verordnung „Good Manufacturing Practice“ (GMP) Reg. (EC) No 2023/2006 ist neu zur FCM-Verordnung hinzugekommen. REACH und Verpackungsabfallverordnung sind noch in Arbeit.

In der FCM-Verordnung Reg. (EC) No 1935/2004 sind alle Verpackungsmaterialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, enthalten. Es gibt jedoch nicht für jedes Material eine Verordnung beziehungsweise Regelung (siehe Abbildung 3)

Abbildung 3: Überblick über die Regelungen von Lebensmittelkontaktmaterialien

Wie aus Abbildung 3 ersichtlich gibt es für einige Verpackungsmaterialien keine Regelung. Der Kunststoffbereich ist im Vergleich zu den anderen Packstoffen relativ gut geregelt. Es gibt eine Positivliste, Globalmigrationsgrenzwerte (Overall Migration Limit (OML)) und spezifische Migrationsgrenzwerte (Specific Migration Limit (SML)).

Weitere neue Regelungen und Messmethoden von Rohstoffen, vor allem bei den Kunststoffen, sind noch in Vorbereitung, wie zum Beispiel mehrlagige Barrierefolien (geklebt, bedruckt, beschichtet). Auch die Druckfarben, Beschichtungen und Klebstoffe für Kunststoffverbunde werden dann miterfasst. Bei Multilayern aus Kunststoff dürfen nicht zugelassene Stoffe hinter einer funktionalen Barriere eingesetzt werden, vorausgesetzt deren Migration ist nicht nachweisbar bei einer Nachweisgrenze von 0,01 mg/kg Füllgut.

Einfluss des EU-Lebensmittelrechts auf die Lebensmittelverpackungs- und Etikettendrucker

Auf den ersten Blick haben die obengenannten strategischen Schwerpunkte des Lebensmittelrechts nicht viel mit Verpackung zu tun. Es könnte der Eindruck entstehen, dass es vor allem die Lebensmittel- und Futtermittelhersteller betrifft. Lebensmittel werden aber in der Regel verpackt, etikettiert und auf dem Verkaufsregal präsentiert. Aus diesem Grund hat nun die EU im Lebensmittelrecht auch Vorschriften zu Materialien und Gegenständen, die mit Lebensmittel in Berührung kommen erlassen (siehe Abbildung 1).

Die Anforderungen an die Verpackungen nehmen stetig zu. Nach dem neuen Gesetz muss eine Lebensmittelverpackung folgende Anforderungen erfüllen:

- Schutz des Füllguts:
   -- vor Kontamination
   -- vor Verlust wertbestimmender Bestandsteile
   -- vor mechanischer Beschädigung
- Ermöglichung der Distribution
- Convenience
- Kommunikation (Produktdekoration)
- Erfüllen der lebensmittelrechtliche Anforderungen

Gleichzeitig ändern sich aber auch die Verpackungskonzepte und bringen weitere Herausforderungen für den Verpackungsdrucker mit sich:

- Komplexere Verpackungsmaterialien (z.B. „Multimaterial“ und „Multilayer“)
- Convenience-Verpackungen (z.B. „Easy opening“ und „Wieder verschliessbar“)
- Aktive und intelligente Verpackungen (z.B. Antimikrobiell und Sauerstoff absorbierend)
- Biologisch abbaubare Kunststoffe (z.B. PLA und Folien auf Stärkebasis)

Lebensmittelhersteller haben Anspruch auf sicherheitsrelevante Informationen, bezüglich Materialien für den Kontakt mit den Lebensmitteln, um den Anforderungen der Verordnung Reg. (EC) No 178/2002 entsprechen zu können.
Die wichtigsten Anforderungen an Lebensmittelverpackungs- und Etikettendrucker sind daher:

- Umsetzung der GMP Verordnung Reg. (EC) No 2023/2006
- Umsetzung der Lebensmittelhygieneverordnung Reg. (EC) No 852/2004
- Systematische Umsetzung der Compliance Strategie im Unternehmen ermöglichen
- Einfaches und effizientes Erstellen von Konformitätserklärungen
- Identifikation von Risiken durch Stoffe und Migration

Die GMP Verordnung Reg. (EC) No 2023/2006 in Artikel 3 „Qualitätssicherheitssystem“ bezeichnet die Gesamtheit der organisierten und dokumentierten Vorkehrungen zum Zweck der Sicherstellung, dass Materialien und Gegenstände die benötigte Qualität aufweisen, um die Übereinstimmung mit den für sie geltenden Regeln zu gewährleisten und sie den Qualitätsstandards entsprechen, die für den ihnen zugedachten Verwendungszweck erforderlich sind.
Alle Faktoren, die im Rahmen der Herstellung und Verarbeitung von FCM das Endprodukt hinsichtlich der Einhaltung des Artikels 3 der Verordnung Reg. (EC) No 1935/2004 beeinflussen, müssen GMP definiert und dokumentiert werden. Artikel 3 der FCM Verordnung (Reg. EC) No 1935/2004 verlangt zudem, dass kein Übergang von Bestandesteilen in das Lebensmittel stattfindet und so keine Schädigung der menschlichen Gesundheit entsteht oder unvertretbare Änderung der Lebensmittel verursacht werden, wie zum Beispiel Zusammensetzung, Geschmack oder Geruch.

Die Lebensmittelhygieneverordnung Reg. (EC) No 852/2004 Kapitel 10 schreibt die Vorschriften für die Verpackungen von Lebensmitteln vor. Das Material, das als Verpackung dient, darf keine Kontaminationsquelle für Lebensmittel darstellen. Die Verpackungen müssen so gelagert werden, dass sie nicht kontaminiert werden können. Die Herstellung von Verpackungen muss so erfolgen, dass diese nicht kontaminiert werden.

Unter der Konformitätserklärung (KE) wird die Beachtung sämtlicher Aspekte im Rahmen der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmittelkontaktmaterialien verstanden. Die KE ist eine verbindliche, schriftliche Erklärung mit Dokumentationen von Lieferanten, Rezeptur, technischen Datenblättern und Sicherheitsdaten. Es ist darauf zu achten, dass keine unvollständigen und lückenhaften Datensätze in der KE enthalten sind.

Möglichst früh in der Wertschöpfungskette bis zum letzten verantwortlichen Unternehmer müssen so viele KE wie möglich abgeschlossen sein. Jede Herstellstufe ist für die KE verantwortlich und nicht abgeschlossene KE müssen delegiert werden. Grundsätzlich hat nicht der Kunde um die Information zu bitten, sondern der Lieferant muss ihn auf eventuell noch fehlende Konformitätsarbeit aufmerksam machen.

Fazit

- Komplexität der gesetzlichen Richtlinien nimmt zu
- Bedeutung der Eigenkontrolle im Unternehmen wird wichtiger
- Mehr Dokumentationskontrolle
- Mehr analytische Stichprobenkontrolle
- Erfüllen der gesetzlichen Anforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien einschliesslich Verpackung wird anspruchsvoller
- Laufende Änderungen im Materialbereich und der Verpackungstechnik stellen die Drucker vor neue Herausforderungen
- Jede Herstell- und Verarbeitungsstufe des Lebensmittelkontaktmaterials muss Verantwortung übernehmen
- Verantwortlich für das Lebensmittel ist der Lebensmittel-Unternehmer/Hersteller.
- Die Konformitätserklärung des FCM-Produzenten ist ein rechtlich bindendes Mittel zur Einhaltung der Lebensmittelverordnung.

Wie ein Verpackungsdrucker ist auch der Etikettendrucker direkt vom neuen EU-Lebensmittelrecht betroffen. Je nach Etikettenapplikation können die Lebensmittelhersteller nun nach GMP und KE fragen. Zusätzlich wird die Hygieneverordnung die Produktion von Etiketten im Hinblick auf Einhaltung von Richtlinien massgeblich beeinflussen.

Kontaktieren Sie uns, gerne stehen wir Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung.


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