Ausgabe 22 / Juli 2010

Lean Manufacturing – Gallus RCS Offsetdruck

In den letzten beiden Teilen berichteten wir über Technik und Anwendung des Gallus RCS Offsetdrucks. Der letzte Teil dieser Artikelserie befasst sich nun mit der Optimierung der Prozesse im Etikettendruck.

Unter Lean Manufacturing wird ein Bündel von Prinzipien verstanden, die zum Ziel haben, die bestehende Wertschöpfungskette zu optimieren und somit mit weniger mehr zu erreichen. Es geht darum, Kompetenz und Verantwortung zusammenzuführen, in Netzwerken zu arbeiten, Verschwendung und Fehler zu vermeiden, die Abläufe zu optimieren und sich um kontinuierliche Verbesserung zu bemühen. Zusammenfassend lässt sich Lean Manufacturing wohl am treffendsten mit den Worten „Work smarter not harder“ erklären.

Wohl durch seinen Ursprung in der japanischen Automobilindustrie wird Lean Manufacturing jedoch häufig nur als Produktionsmethode für Konzerne und deren komplexen Abläufe gesehen. Zu Unrecht! Studien von Gallus zeigen, dass eine Einsparung von nur gerade 5 Minuten pro Druckauftrag - je nach Auftragsart und Schichtmodell - kumuliert über ein Jahr zusätzliche Produktionskapazität von bis zu 200 Aufträgen pro Maschine schaffen kann.

Zusammenhänge erkennen: Die Grundlage für Lean Manufacturing

Ohne Zweifel arbeiten heutige Servo-Druckmaschinen wie die Gallus RCS um ein vielfaches effizienter als ihre Vorgänger vor einigen Jahren. Sleeve-Systeme, Kammerrakel, wechselbare Druckverfahren, Jobdatenspeicher, etc. tragen wesentlich dazu bei. Dennoch lässt sich im Etikettendruck verbreitet feststellen, dass trotz moderner Maschinentechnologie viel Potential ungenutzt bleibt. Was sind die Gründe dafür und wie lässt sich dieses Potential nutzen?

Schrumpfende Auflagengrössen und somit kürzere Abruf-Frequenzen und Produktionsfenster sind eine grosse Herausforderung für den Etikettendrucker und erzeugen einen enormen operativen Druck. Vielfach bleibt da kaum noch Freiraum, um sich um Optimierung von Produktionsmethoden und Produktionsabläufen zu kümmern. Dies erinnert ein wenig an den Waldarbeiter, der mit einer stumpfen Axt Bäume fällt. Auf die Frage hin, warum er die Axt nicht schärfe, antwortet dieser: „Keine Zeit“.

So einfach wie das Problem des Waldarbeiters lassen sich die Herausforderungen im Etikettendruck nicht lösen. Heute kann man feststellen, dass bei der Wahl der richtigen Druckmaschine zwar sehr überlegt vorgegangen wird, die Maschine dann aber oft in ein bestehendes Produktionsumfeld integriert wird, ohne dieses den neuen Möglichkeiten anzupassen. Im Gegenteil, der neue „Star“ erhält oft eine bevorzugte Behandlung und schwächt somit die Effizienz der bestehenden Etikettenproduktion.

Ein gesamtheitlicher Ansatz, der die Technologie, den Herstellprozess und den Menschen berücksichtigt, ist also von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht die Etikettenproduktion effizienter zu gestalten und bestehendes Potential besser auszunutzen. Diese drei Schlüsselfaktoren gilt es nun auf ihre Qualität, ihre Effizienz sowie auf mögliche Verbesserung hin zu analysieren.

Im zweiten Schritt wird ein Ziel definiert und festgelegt, was getan werden muss um dieses Ziel zu erreichen. Vielfach wird im Anschluss versucht mit einem einmaligen Kraftakt möglichst viel zu erreichen. Dies führt im Endeffekt fast immer zu einem unbefriedigenden Resultat. Über Jahre gewachsene Strukturen, Verhalten und Einstellungen lassen sich nicht plötzlich ablegen. Lean Manufacturing lässt sich besser schrittweise einführen und lebt massgeblich vom Gedanken der kontinuierlichen Verbesserung.

Bild 1: Lean Manufacturing Kreis

Problem erkannt, Gefahr gebannt?

Obwohl durch einen Lean Manufacturing Ansatz enorme Kosteneinsparungen bewirkt werden können und obwohl Lean Manufacturing sehr kostenarm und schrittweise eingeführt werden kann, findet dieser Ansatz im Etikettendruck nur zögerlich seinen Weg in die Praxis. Vielfach ist der Wille zur Veränderung da, es fehlt aber die Zeit oder die Fähigkeit zur Umsetzung und der gute Vorsatz verläuft wieder im Sande.

So wie ein Flugzeug entsprechenden Schub braucht um zu starten, braucht auch ein Projekt wie die Etablierung von Lean Manufacturing entsprechenden Anschub. Oftmals lohnt sich deshalb die Zusammenarbeit mit einem fachkundigen Partner, der diesen Anschub leisten kann. In einem ersten Ansatz sollten mindestens folgende Elemente untersucht werden:

- Druckqualität: Die Druckresultate werden detailliert auf Druckfehler analysiert und die Gesamtqualität eingestuft. Ebenso muss die Nachhaltigkeit sichergestellt sein, d.h. es wird beobachtet, wie konstant sich die Druckqualität über längere Produktionen verhält und ob Verbesserungspotenzial vorliegt.

- Produktionsabläufe: Der Informations- und Materialfluss in der Produktion wird analysiert und auf vorhandene Ineffizienzen untersucht. Ein Augenmerk muss zudem auf die Systematik des Jobumrüstens gelegt werden. Ein weiterer entscheidender Punkt liegt in der bis zur Druckfreigabe benötigten Einrichtzeit und Makulatur, welcher im direkten Zusammenhang mit dem Grad der Standardisierung steht.

- Produktionsumgebung: Die Produktions- und Maschinenumgebung soll auf einen optimalen Materialfluss untersucht werden. Wichtig sind unter anderem ein angepasster Arbeitsplatz für effizientes Arbeiten an und um die Druckmaschine sowie ein optimales Arbeitsumfeld um die Druckmaschine mit dem notwendigen Druckzubehör, um eine minimale Rüstzeit zu garantieren.

Ausgehend von dem erstellten Stärken- / Schwächen Profil können nun gezielte Massnahmen eingeleitet werden. Dabei ist es vor allem in der Initialfase wichtig, dass nachvollziehbar und transparent vorgegangen wird. Fortschritte müssen gemessen, aufgezeigt und kommuniziert werden. Motivation ist ein wesentlicher Faktor in allen Veränderungsprozessen und Grundlage dafür, dass ein Projekt wie Lean Manufacturing aus eigenem Antrieb weiter verfolgt wird.

In der Praxis bestätigt

Das folgende reale Praxisbeispiel zeigt auf, wie bei einer Analyse vorgegangen werden kann und welches versteckte Potential vorhanden ist.

Der Situationsplan der untersuchten Etikettendruckerei zeigt deutlich die zersiedelte Lagerhaltung von Druckzubehör und Bedruckstoffen auf. Auch die Etikettendruckmaschinen verschiedener Hersteller zeigen unterschiedliche Produktionsrichtungen auf. Der Schluss liegt somit von Anfang an Nahe, dass sich eine detaillierte Analyse lohnt.

Bild 2: Über die Zeit gewachsene, nicht optimierte Produktionsumgebung

Die Analyse zeigte dann auch auf, dass durch das nicht optimale Produktionsumfeld sowie unklare Zuständigkeiten und Kompetenzen eine hohe Blindleistung erbracht wird. Fehlende Warenflusskonzepte und nicht geregelte Zuständigkeiten sind die häufigsten Ursachen für einen nicht optimal funktionierenden Produktionsablauf.

Aufgrund dieser Fakten und der Möglichkeiten des Kunden wurde beschlossen ein Lean Manufacturing Konzept zu etablieren und in einem ersten Schritt 50% der Ineffizienzen einzusparen, was eine Kostenersparnis von mehr als 120'000 Euro pro Jahr und pro Maschine bringt.

Bild 3: Zusammenfassung Einsparpotential in der betreffenden Druckerei

Zusammen mit dem Kunden wurde ein Warenflusskonzept erarbeitet sowie die Zuständigkeiten während der Produktion und bei Auftragswechsel verankert. Das eingeführte Pit-Stop Konzept beinhaltete die JIT (Just in time) Anlieferung von Substrat, Farbe und Druckzubehör an die Maschine und weg von der Maschine sowie eine Zuständigkeitsregelung, bei der der Drucker weitestgehend aus der Verantwortung für einen Jobwechsel genommen wurde. Zusätzlich wurden bestehende Qualitätsprobleme durch gezielte drucktechnische Schulungen weitestgehend eliminiert.

Zusammen mehr erreichen

Die Frage nach der Berechtigung von Lean Manufacturing im Etikettendruck lässt sich nun relativ einfach beantworten. Der aufgezeigte Praxisfall zeigt wie mit geringen Aufwand 120'000 Euro pro Jahr pro Maschine eingespart und freie Produktionskapazität für 138 zusätzliche Aufträge geschaffen werden kann. Die Berechtigung für Lean Manufacturing ist unzweifelhaft gegeben.

Bei Gallus haben wir die Möglichkeiten von Lean Manufacturing schon vor Jahren erkannt und für uns genutzt. Wissend welches Potential in Lean Manufacturing steckt und wie es gehoben werden kann, haben wir uns entschlossen, dieses Wissen auch dem Etikettendrucker zugänglich zu machen. Bedingt durch die hohe Nachfrage setzen wir mittlerweile ein ganzes Team von speziell ausgebildeten Verfahrenstechnikern ein. Diese Verfahrenstechniker analysieren vor Ort die Etikettenproduktion und erstellen einen Bericht, der das mögliche Verbesserungspotential detailliert aufzeigt.

Interessieren auch Sie sich für Lean-Manufacturing in Ihrem Unternehmen? Unsere speziell ausgebildeten Verfahrenstechniker informieren Sie gerne umfassend. Setzen Sie sich unverbindlich mit Ihrer lokalen Gallus Verkaufsorganisation in Verbindung.


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