Ausgabe 22 / Juli 2010

Kann Nachhaltigkeit zu Kostensenkungen beitragen?

Die meisten Hersteller und Händler von schnelldrehenden Konsumgütern (Fast Moving Consumer Goods, FMCG) geben an, dass Nachhaltigkeit zunehmend in den Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit rückt – aber was bedeutet „Nachhaltigkeit“? Was sind einige der neuen Möglichkeiten, die FMCG-Hersteller ergreifen werden, um Kosten zu senken, Gewinne zu steigern und das Leben ihrer Endkunden zu verbessern (und zugleich zu einer Verringerung von deren Umweltauswirkungen beizutragen)? Dieser Artikel erörtert einige Nachhaltigkeitstrends und zeigt auf, wie Etikettendrucker unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit Kosten senken können.

Einleitung

„Nachhaltigkeit“ war 2009 eines der am meisten gebrauchten Wörter, nicht nur in der Etikettenindustrie, sondern auch in der weltweiten Druck-, Verpackungs- und Verlagsbranche. Zugleich hat der Begriff aber auch eine Menge Verwirrung und Missverständnisse verursacht. Sehr oft besteht der Eindruck, eine nachhaltige Etikettenherstellung könnte mehr Geld und Aufwand kosten.

Die Definition von Nachhaltigkeit wurde 1987 von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen aufgestellt:

„Eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Auf dem UN-Weltgipfel 2005 wurde festgehalten, dass für eine solche Entwicklung ökologische, soziale und ökonomische Forderungen – die „drei Säulen“ der Nachhaltigkeit – miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Diese Sichtweise findet in einer schematischen Abbildung Ausdruck, in der drei sich überlappende Ellipsen verdeutlichen, dass die drei Säulen der Nachhaltigkeit sich nicht gegenseitig ausschliessen, sondern einander sogar verstärken können.

Abbildung 1: Die „drei Säulen“ der Nachhaltigkeit

Einige Nachhaltigkeitsaspekte bei der Etikettenherstellung

Wenn wir die Wertschöpfungskette von Rohstoffen über Druckmaschine, Substrat, Farbhersteller usw. bis zum Markeninhaber und Händler betrachten, stellen wir fest, dass all diese Beteiligten Nachhaltigkeit nicht nur strategisch im Blick, sondern auch ganz oben auf ihren Dringlichkeitslisten stehen haben.

Ein Unternehmen muss heute nicht nur Gewinn machen und Wohlstand schaffen, sondern auch auf das Leben der Menschen und auf die Gesundheit unseres Planeten achten. Speziell in Bezug auf die Umwelt werden die meisten Unternehmen der FMCG-Industrie künftig einer neuen Kenngrösse ihrer Geschäftstätigkeit verstärkte Aufmerksamkeit schenken: der sog. „Triple Bottom Line“, in der soziale, ökologische und wirtschaftliche Faktoren (Menschen, Umwelt, Gewinn) Berücksichtigung finden.

Abbildung 2: Nachhaltigkeitsaspekte beim Etikettendruck

Abbildung 2 zeigt in der horizontalen Flussrichtung die Produktionsschritte beim Etikettendruck. In der Querrichtung sind die eingesetzten Rohstoffe und Energie sowie die bei der Etikettenherstellung entstehenden Abfälle und Emissionen dargestellt.
Das Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln von Ressourcen geht nicht nur den Etikettendrucker, sondern auch die Markeninhaber und Händler an. Die Schonung der Ressourcen ist ein zentrales Thema, um das sich in den kommenden Jahren die gesamte Wertschöpfungskette drehen wird.

Energiekosteneinsparungen bei der Etikettenherstellung

• UV-Trocknung

Im Jahr 2001 hat Gallus den Gesamtenergieverbrauch der Gallus RCS 330 analysiert und dabei festgestellt, dass die UV-Lampen der grösste Energieverbraucher waren. Gallus hat daher mit führenden UV-Lampenherstellern eine Initiative ins Leben gerufen, um den Energieverbrauch der UV-Lampen zu senken.

Abbildung 3: Energieverbrauch der Gallus RCS 330 bei 8 Druckwerken, 100 m/min

Schon kurze Zeit nach dem Start dieser Initiative kamen erste Ergebnisse in Form von energiesparenden UV-Lampen auf den Markt, und dieser Trend hat sich seitdem fortgesetzt.

Abbildung 4: Energieverbrauch und Energieeinsparung von UV-Lampen

Abbildung 4 verdeutlicht durch einen Vergleich von zwei verschiedenen Lampentypen die Energie- und Kosteneinsparungen sowie die Senkung der CO2-Emissionen. Die Berechnung wurde anhand der folgenden Parameter durchgeführt: 220 Arbeitstage im Jahr, 3 Schichten pro Tag, 20 % Standby-Zeit, 80 % Volllast-Zeit, Lampenbreite 38 cm und 8 Lampen im Einsatz.
Energiesparende Quecksilber-UV-Lampen erzeugen weniger Hitze und folglich muss auch weniger Hitze mit Kühlwasser gekühlt werden. Daher tragen die Niedrigenergielampen zudem auch zu einer Senkung der Wasserkühlkosten bei.

• Klimatisierung

Viele Etikettendrucker pflegen das Klima im Drucksaal, wie z. B. Temperatur und Feuchtigkeit, zu regeln. Dies stellt einen weiteren Kostenfaktor für die Drucker dar. Mit dem folgenden Beispiel möchten wir verdeutlichen, wie diese Kosten gesenkt oder beseitigt werden können.

Abbildung 5: Derzeitige Drucksaalumgebung bei einer UV-Druckmaschine

Jede Druckmaschine mit Quecksilber-UV-Lampen erfordert eine Absaugeinrichtung, Belüftung und Rohre, um das entstehende Ozon aus dem Drucksaal herauszuleiten. Die Installations- und Betriebskosten sind beachtlich. Bei laufender Druckmaschine wird eine bestimmte Luftmenge aus dem klimatisierten Drucksaal abgesaugt und dieselbe Menge Aussenluft in den Drucksaal zugeführt (siehe Abbildung 5). Diese frisch zugeführte Luft muss wieder klimatisiert werden, und das kostet Energie und Geld.

Ein führender Anbieter von Strahlenhärtungslösungen hat zusammen mit Gallus eine einzigartige Quecksilber-UV-Lampe entwickelt, bei deren Betrieb kein Ozon entsteht. Daher sind keine Rohre und keine Absaugeinrichtung erforderlich. Die Absaugung stellt bei Druckmaschinen der neuen Generation die grösste Lärmquelle dar. Mit dieser Trocknungslösung wird also auch der Geräuschpegel stark gesenkt und liegt im produktiven Betrieb der Maschine deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Dezibelwert.

Nun zur Berechnung der Kostensenkung: Wissen Sie, wie gross das Luftvolumen ist, das bei einer schmalbahnigen Druckmaschine pro Stunde abgesaugt werden muss? Bei einer Achtfarbenmaschine sind es zwischen 4.000 und 6.000 m³/h. Das ist mehr als ein Heissluftballon zum Fliegen benötigt. Der Elektroschrank hinter der Druckmaschine bläst ebenfalls Warmluft in den Drucksaal (siehe Abbildung 5). Wissen Sie, was die Klimatisierung von 1.000 m³ Luft kostet? In Mitteleuropa sind es grob 0,30 € pro 1.000 m³ Luft. Die Kosteneinsparungen betragen bei einer Achtfarbenmaschine im 3-Schicht-Betrieb also zwischen 5.000 und 7.000 € im Jahr. Überdies besteht keine Notwendigkeit, den Ozonfilter zu tauschen (in manchen Ländern ist es nicht erlaubt, die Abluft freizusetzen, ohne das Ozon herausgefiltert zu haben). Mit dieser Lösung ist es möglich, die CO2-Emissionen dramatisch zu senken und dadurch einen hervorragenden Beitrag zur Umwelt zu leisten.

• Energiemanagement

Die folgende Energiemanagementlösung gilt für Länder, in denen die Aussentemperatur niedriger als die Innentemperatur ist, oder kann allgemein für die Warmwasserversorgung in der Druckerei eingesetzt werden.

Abbildung 6: Beispiel für Wärmemanagement in einem Drucksaal

In jeder Druckerei gibt es lokale oder periphere Kühleinheiten, die entweder zur Wasserkühlung oder zur Klimatisierung der Luft dienen. Jede dieser Einheiten erzeugt Warmluft. Normalerweise wird diese überschüssige Warmluft aus der Druckerei herausgeblasen. Stattdessen kann die überschüssige Warmluft aber durch einen Wärmetauscher geleitet und die so gewonnene Energie dann für die Raumheizung oder die Warmwasserversorgung genutzt werden. Gallus setzt diese Lösung bereits seit vielen Jahren an seinen Produktionsstätten in der Schweiz und Deutschland ein.

Substratkosteneinsparungen bei der Etikettenherstellung

Das Substrat ist der grösste Kostenfaktor und macht 40–60 % der gesamten Etikettenkosten aus. Es gibt viele Möglichkeiten, den Substratabfall zu reduzieren, aber wir möchten uns hier auf einen ganz bestimmten Punkt konzentrieren, nämlich den „Bahndurchlauf durch die Maschine“. Das ist die Bahnlänge in einer Druckmaschine vom Abwickeln bis zum Aufwickeln.

Wir werden für dieses Beispiel zwei Druckmaschinen miteinander vergleichen: Druckmaschine 1 hat einen Bahndurchlauf von 11 Metern bei 8 Druckwerken, während Druckmaschine 2 bei derselben Anzahl von Druckwerken einen Bahndurchlauf von 32 Metern hat.

Wir haben als Beispiel ein Lebensmitteletikett ausgewählt, das von einem unserer Kunden gedruckt wurde. Dieser war so freundlich, uns die folgenden Daten für unsere Berechnung zur Verfügung zu stellen.

Abbildung 7: Definition der Makulaturparameter

Es ist sehr wichtig, dass Drucker zunächst die Makulaturparameter definieren, die zu Maschinenstopps führen (siehe Abbildung 7). Danach ist es recht einfach, sich genauer mit den Gründen für die Stopps zu befassen, um weitere Massnahmen zur Vermeidung solcher Produktionsunterbrechungen zu ergreifen – was Material und Zeit spart.

Berechnungsparameter für einen Grundnahrungsmittel-Etikettenauftrag

   Druck: 5 Farben UV-Flexo
   Substratkosten: 0,50 €/m²
   Auflage: 200.000 Etiketten
   Produktionszeit: 2 Schichten
   Arbeitsschichten pro Tag: 2
   Durchschnittliche Aufträge pro Schicht: 3

Abbildung 8: Vergleich der Makulatur von zwei Druckmaschinen

Für denselben Auftrag fallen bei Druckmaschine 1 nur 99 Meter Makulatur an, während sich die Makulatur bei Druckmaschine 2 auf 288 Meter beläuft. Das Kosteneinsparpotenzial von Druckmaschine 1 gegenüber Druckmaschine 2 beträgt mehr als 42.000 € im Jahr.
Die Botschaft lautet: Wir müssen neue Denkansätze zur Kostenminimierung verfolgen. Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten, um die Kosten zu senken. Jede Druckerei weiss das besser als irgendein Dritter. Wenn die Etikettendrucker versuchen, das Prinzip „Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln“ Schritt für Schritt in die Praxis umzusetzen, tragen sie zu einer nachhaltigen Etikettenherstellung bei, die ihrerseits Menschen, Umwelt und Gewinn zuträglich sein wird.

Nachhaltigkeitstrends in der FMCG-Branche für 2010 und die folgenden Jahre

Die schnelldrehende Konsumgüter- (FMCG-)Branche geht zu Beginn des neuen Jahrzehnts gestärkt aus der Rezession und der wirtschaftlichen Erholung hervor. Nachhaltigkeit gehört weiterhin zu den Hauptanliegen dieser Branche: Die Händler und FMCG-Unternehmen sind die treibenden Kräfte für mehr Nachhaltigkeit, und die Rezession hat ihre Aktivitäten eher gefördert als gebremst. Im Folgenden möchten wir gern ein paar wesentliche Nachhaltigkeitstrends beleuchten, mit denen wir in unserer Branche rechnen.

1. FMCG-Unternehmen werden auf die „Triple Bottom Line“ – Menschen, Umwelt, Gewinn – als breiter angelegten Erfolgsmesser achten

  • Menschen: Was sind die sozialen Kosten und Nutzen von Verpackungen/Etiketten? Wie können wir einen besseren Beitrag zum Wohlergehen der Menschen leisten?

  • Umwelt: Wie hoch sind die Kosten für die Umwelt? Wie können wir die Umweltbelastungen reduzieren, die durch die Verpackungen und Etiketten entstehen, die von den Menschen täglich verwendet werden?

  • Gewinn: Nachhaltigkeit ist auch gut für das Geschäft. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen FMCG-Unternehmen nicht mit so schnellen Preiserhöhungen oder Umsatzsteigerungen rechnen können, ist es an der Zeit, die Bilanz genauer unter die Lupe zu nehmen, um ein paar Prozent Kosteneinsparungen zu erzielen – was einem höheren Gewinn gleichkommt.

2. Die Verbraucher werden nachhaltigere Verpackungen kaufen wollen – und „schlechte“ Verpackungen meiden

Es gibt unter den Verbrauchern ein verstärktes Bewusstsein, Abfall verringern zu wollen. Dinge einfach wegzuwerfen, wenn sie recycelt werden könnten, scheint im aktuellen Wirtschaftsklima besonders „falsch“ – die Menschen wollen Verpackungen, die schlicht, recycelbar und benutzerfreundlich sind.

Im Zusammenhang mit diesem Trend wird erwartet, dass die Verbraucher zwar nachhaltige Verpackungsoptionen suchen werden, sie jedoch nicht bereit sein werden, für nachhaltigere Produkte mehr zu bezahlen.

3. Die Produktgrössen werden kleiner werden ... und grösser

Dieser Trend geht gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen. Angesichts der Wirtschaftskrise sind viele Leute bestrebt, bestimmte Produkte en gros zu kaufen – sowohl um Geld zu sparen als auch um Kosten zu senken.

Zugleich gibt es aber auch ein Bestreben, kleinere Packungen zu kaufen und die Verpackung mehrmals wiederzuverwenden (besonders bei Nachfüllseifen und -waschmitteln usw.)

Unabhängig davon, ob man „grosse“ oder „kleine“ Packungen kauft, die Grösse und Menge des Produkts muss immer „genau richtig“ sein. Zu den starken Trends gehört auch, dass die Verbraucher zunehmend desinteressiert an „übermässig“ verpackten Produkten sind.

4. FMCG-Unternehmen werden Nachhaltigkeit in jeden Aspekt ihrer Betriebs-/Herstellungsprozesse integrieren

Senkung der Energiekosten: In einer wirtschaftlichen Situation, in der es unmöglich ist, Preise zu erhöhen, werden Kostenkontrolle und Kosteneffizienz zu den massgeblichen Faktoren für die Generierung von Gewinn. Wenn es Etikettendruckern gelingt, ihre Energiekosten zu senken, verbessern sie damit ihre Gesamtrentabilität.

Reduzierung von Abfall: Selbst eine kleine Reduzierung der Substratmenge, die für die Herstellung eines Etiketts verwendet wird, oder der auf dem Boden des Drucksaals liegen bleibenden Abfälle kann grosse Ergebnisse bewirken. FMCG-Unternehmen werden jeden Herstellungsprozess genau unter die Lupe nehmen, um Abfall und unnötigen Aufwand zu vermeiden.

Förderung eines Bewusstseins für „schlanke Herstellung“: Angesichts einer stärkeren Ausrichtung auf Abfallvermeidung und Prozessverbesserungen werden FMCG-Unternehmen bestrebt sein, noch effizienter zu werden – das Ideal lautet: kein Abfall, keine unnötigen Lagerbestände, geringere Kosten und höherer Gewinn.
Procter & Gamble, einer der weltweit grössten FMCG-Hersteller, hat fünf Nachhaltigkeitsstrategien aufgestellt, die als Leitlinie für sein operatives Geschäft rund um den Globus dienen. Diese Nachhaltigkeitsstrategien beinhalten messbare Ziele und sollen den Energie- und Wasserverbrauch des Unternehmens senken sowie die Abfall- und Kohlendioxidmenge verringern, die bei der Herstellung der P&G-Produkte entsteht.

Anfang dieses Jahres hat Wal-Mart seinen nächsten 5-Jahres-Nachhaltigkeitsplan vorgestellt, in dem dargestellt wird, wie das Unternehmen die Treibhausgasemissionen rund um die Welt reduzieren will.

5. Das Design wird in den Mittelpunkt rücken

FMCG-Hersteller werden grössere Anstrengungen unternehmen, ihre bestehenden Verpackungen dahin gehend umzugestalten, dass diese nachhaltiger sind – und zugleich Geld sparen. Reduziertes Gewicht, schlanke Verpackung und kleine Produktgrösse werden der künftige Trend bei der Gestaltung der Verpackungen sein – die zugleich aber durchdacht präsentiert und optisch ansprechend daherkommen werden.

Fazit
Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Etikettendrucker noch eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sie Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil leben und umsetzen können. FMCG-Unternehmen werden die aufgezeigten Nachhaltigkeitstrends verfolgen, um so ihre Kosten zu senken, das Erlebnis ihrer Kunden zu optimieren, ihre Marketingreichweite zu vergrössern und das Profil ihrer Unternehmen und unserer Branche als Ganzes zu verbessern.


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