Ausgabe 34 / Juni 2013

Ein erfolgreicher Umstieg vom Buch- auf den Flexodruck

Jahrzehntelang war der Buchdruck das dominierende Druckverfahren im Etikettendruck, bevor es in jüngerer Gegenwart durch den Flexo-, Offset- und Digitaldruck als Hauptdruckverfahren abgelöst wurde. Andere Druckverfahren wie Sieb- und Tiefdruck werden hauptsächlich für Veredelungszwecke eingesetzt. Das Buchdruckverfahren ist zwar im Etikettendruck noch vereinzelt im Einsatz, wird jedoch in naher Zukunft nur noch Geschichte sein. Immer mehr Druckereien steigen vom Buch- auf den Flexodruck um.

Der folgende Artikel wird deshalb zuerst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Druckverfahren erklären, um danach näher darauf eingehen zu können,  was es beim Umstieg vom Buch- auf den  Flexodruck zu beachten gilt.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Flexo- und Buchdruck

Die Verfahren Flexo- und Buchdruck entstammen beide der Familie des direkten Hochdrucks. Das bedeutet, dass die druckenden Teile auf der Druckplatte höher liegen als die nichtdruckenden Teile, was vom Prinzip her mit einem Stempel verglichen werden kann.

Beim Hochdruckverfahren nehmen die erhöhten Stellen der Druckplatte die Druckfarbe auf und transportieren sie zum Bedruckstoff. Beide Druckverfahren, Flexo- und Buchdruck, haben auch die Fotopolymerdruckplatte gemeinsam.

Während aber beim Buchdruck sehr harte Fotopolymerdruckplatten von meist über 80° Shore A verwendet werden, kommen beim Flexodruck deutlich weichere Fotopolymerplatten zum Einsatz, welche eine Härte von 70° – 80° Shore A aufweisen (bei Plattenstärke 1.14mm). Dies ist einer der Gründe, weshalb im Flexodruck homogenere Flächen und insbesondere deutlich mehr Farbe im Vergleich zum Buchdruck übertragen werden können.
Der grösste Unterschied zwischen den beiden Druckverfahren liegt aber in der Art der Einfärbung der Druckplatte. Während der moderne Flexodruck aus nur noch 3 Zylindern besteht, ist ein Buchdruckwerk, mit seinen vielen Farbwalzen, deutlich aufwändiger konstruiert.

Das Prinzip des Buchdrucks

Das Farbwerk im Buchdruck besitzt eine sogenannte Zonenverstellung. Dies bedeutet, dass sich die Farbmenge über die Breite verschieden stark einstellen lässt. In anderen Worten: Je nach Druckmotiv kann, beispielsweise auf der Antriebseite der Maschine, mehr Farbe übertragen werden als auf der Bedienungsseite der Druckmaschine. 

Farbzonen

Die pastöse Druckfarbe muss zuerst durch die verschiedenen Walzen befördert und verrieben werden, um gute drucktechnische Eigenschaften zu erlangen. Hat die Druckfarbe die verschiedenen Walzen passiert, gelangt sie auf die erhöhten Stellen der harten Druckplatte, wo sie aufgenommen und auf den Bedruckstoff weitertransportiert wird.

Abbildung: Prinzip des Buchdrucks

1. Farbwerk / Zonenschrauben  
2. Walzen  
3. Druckzylinder  
4. Klebeband
5. Druckplatte 
6. Gegendruckzylinder  
7. Gummituch  
8. Bedruckstoff

Das Prinzip des Flexodrucks

Beim Flexodruck wird die übertragene Farbmenge hauptsächlich über die Rasterwalze gesteuert. Die Rasterwalze weist eine Oberfläche aus Keramik auf, welche graviert wird und dadurch eine feine Näpfchenstruktur aufweist, die identisch mit derjenigen einer Bienenwabe ist.

Die flüssige Druckfarbe fliesst in die Näpfchen der Rasterwalze und wird sogleich von einem Stahlrakelmesser abgerakelt. Mit der Stahlrakel wird sichergestellt, dass nur Druckfarbe innerhalb der Rasterwalzennäpfchen übertragen wird und die Farbübertragung dadurch
konstant bleibt. Dies führt zu einem wichtigen Vorteil des Flexodrucks: Die Volltondichten unterliegen im Produktionsprozess nur geringen Schwankungen.
Die erhöhten Stellen der flexiblen Druckplatte nehmen bei der Berührung mit der Rasterwalze rund die Hälfte der Farbe innerhalb der Näpfchen auf und transportieren sie weiter an den Bedruckstoff.

Abbildung: Prinzip des Flexodrucks (Version Farbkammer)


1. Farbkammer  
2. Rakelmesser (Stahl)  
3. Rasterwalze (Keramik)  
4. Druckzylinder
5. Schaum-Klebeband  
6. Druckplatte  
7. Gegendruckzylinder  
8. Bedruckstoff

Was gilt es beim Umstieg vom Buch- auf den Flexodruck zu beachten?

Auch wenn beide Druckverfahren der Familie des direkten Hochdrucks entstammen, sind die Prinzipien des Buch- und des Flexodrucks dennoch sehr unterschiedlich. Für den Einsteiger in den Flexodruck ist es deshalb unumgänglich, die wichtigsten Einflussfaktoren des Flexodrucks, welche in folgender Liste aufgeführt sind,  zu kennen und zu verstehen.
Einflussfaktoren des Flexodrucks:

- Druckfarbe
- Rasterwalze
- Druckplatte
- Klebeband
- Druckzustellung
- Druckvorstufe

Die Druckfarbe

Im Etikettendruck werden für den Flexodruck fast ausschliesslich UV-Farben eingesetzt, welche sich mit UV-Licht aushärten lassen und zudem den grossen Vorteil haben, dass sich der Drucker nicht um Viskosität und Verdünnung kümmern muss. Die Originalfarbe wird also unverdünnt und ohne Additive eingesetzt, was auch beim Buchdruck der Fall ist.

Für einen Buchdrucker ist die dünnflüssige UV-Flexodruckfarbe allerdings gewöhnungsbedürftig. Die zähflüssige Buchdruckfarbe lässt sich relativ einfach handhaben, wohingegen die dünnflüssige UV-Flexodruckfarbe eine erhöhte Sorgfalt und Sauberkeit voraussetzt. Der Reinigungsaufwand im Flexodruck ist deshalb grundsätzlich grösser als beim Buchdruck.

Die Rasterwalze

Die Rasterwalze ist eines der Hauptelemente des Flexodruckverfahrens und bestimmt die Farbmenge, welche auf den Bedruckstoff übertragen wird.

Ein wichtiges Merkmal des Flexodrucks ist nämlich, dass sich die Farbmenge nur insgesamt über das gesamte Druckmotiv verstärken oder abschwächen lässt und verschiedene Farbzonen wie im Buch- oder Offsetdruck im Flexodruck nicht vorkommen.

Die übertragene Farbmenge wird über das theoretische Schöpfvolumen mit der Masseinheit cm3/m2 angegeben und beschreibt die theoretische Menge an Farbe in cm3, welche beim vollflächigen Druck einer Fläche von 1m2 übertragen wird. Gängige Rasterwalzen liegen im Bereich zwischen 2,0 und 12,0 cm3/m2.

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Lineatur einer Rasterwalze. Die Lineatur steht für die Anzahl Näpfchen auf einer Länge von 1cm. Gängige Rasterwalzen weisen Lineaturen im Bereich zwischen 100 – 500 L/cm auf.

Pro Flexodruckwerk sollte eine Druckmaschine mit ungefähr 2 - 2,5 unterschiedlich gravierten Rasterwalzen bestückt sein.

Eine 10-Farben Flexodruckmaschine, zum Beispiel, sollte somit ungefähr 20 – 25 Rasterwalzen im Sortiment haben und könnte mit folgenden Rasterwalzen ausgestattet sein:

Die Druckplatte

Im Flexo-Etikettendruck kommen meist Fotopolymerdruckplatten zum Einsatz. Flexodruckplatten sind in verschiedenen Härten erhältlich, wobei sie meistens in einem Bereich zwischen 70°-80° Shore A liegen (bei Plattenstärke 1.14mm).

Die Härte der Druckplatte hat entscheidenden Einfluss auf das Druckergebnis. Bei härteren Druckplatten ist eine stärkere Neigung zu sogenanntem «Pinholing» in Vollflächen sichtbar, weiche Druckplatten hingegen neigen eher zu höheren Tonwertzunahmen im Rasterdruck.

Das Klebeband

Im Flexo-Etikettendruck kommen Schaumklebebänder in verschiedenen Härten zum Einsatz. Die Härte des Klebebandes hat entscheidenden Einfluss auf das Druckergebnis und darf auf keinen Fall unterschätzt werden.

Die Härte des Klebebandes

- Klebebänder für den Flexodruck sind in unterschiedlichen Härten erhältlich
- Die Härte des Klebebandes hat direkten Einfluss auf Volltondichten und Punktzunahmen im Flexodruck

Die Druckzustellung

Die Druckzustellung im Flexodruck unterscheidet sich grundlegend von der Druckzustellung im Buchdruck. Während im Buchdruck mit einem deutlichen Überdruck gearbeitet wird, muss der Flexodrucker so wenig Druckzustellung («Kissprinting») wie möglich einstellen. Dies beeinflusst das Druckresultat in entscheidender Weise, denn durch einen Überdruck entstehen verschiedenste Druckprobleme wie Quetschränder, hohe Tonwertzunahmen, Vibrationsstreifen, überfärbte Druckplatten, etc..

Grundsätzlich gilt, dass im Flexodruckwerk an folgenden Stellen die Zustellung auf ein möglichst geringes Mass eingestellt werden soll:

- Zustellung Rakelmesser zur Rasterwalze
- Zustellung Rasterwalze zur Druckplatte
- Zustellung Druckplatte zum Bedruckstoff

Die Druckvorstufe

Im Flexodruck kann die Farbstärke nur insgesamt erhöht oder reduziert werden, das heisst, eine Zonenverstellung wie bei Buch- oder Offsetdruck ist nicht möglich. Farbanpassungen im Vierfarbendruck sind an der Druckmaschine nur noch bedingt möglich, was bedeutet, dass die Druckvorstufe sowie die Profilierungen im Flexodruck von enormer Wichtigkeit sind.

Um zu garantieren, dass identische Farbergebnisse wie im Buchdruck erzielt werden können, muss deshalb zwingend eine sorgfältige Profilierung durchgeführt werden. Die Vorgehensweise hierfür sieht folgendermassen aus:

a) Festlegung auf möglichst wenig Einsatzmaterialien (Klebeband, Druckplatte, Druckfarbe, etc.)
b) Eine ICC Profiltestform wird unter Produktionsbedingungen angedruckt («Fingerprint»)
c) Die identische ICC Profiltestform wird auf dem Proofgerät angedruckt
d) Das Druckergebnis vom Proofgerät wird an das Flexodruckergebnis angepasst

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sich der Flexodrucker in der Folge exakt an die densitometrischen Zielwerte hält, welche beim Andruck der ICC Profiltestform ermittelt wurden. Nur so wird sichergestellt, dass Proof und Druckmaschine farblich identisch sind.

ICC Profilierung

Testform zur Profilierung und Abgleichung zwischen Druckmaschine und Proof

Fazit

Um einen reibungslosen Umstieg vom Buch- auf den Flexodruck zu realisieren, sind gute Kenntnisse und die korrekte Handhabung der wichtigsten Einflussfaktoren im Flexodruck notwendig. Hat man das Flexodruckverfahren einmal verstanden und im Griff, darf man sich über ein relativ einfaches Druckverfahren mit hoher und sehr konstanter Druckqualität freuen.

Gallus bietet gerne verschiedene Flexodruckseminare an, um seinen Kunden einen reibungslosen Einstieg in den Flexodruck zu garantieren. Kontaktieren Sie uns, gerne stehen Ihnen unsere Fachspezialisten für eine Beratung zur Verfügung.


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