Ausgabe 33 / März 2013

Letra Graphix – auf der Suche nach Perfektion

Etikettendruckereien in Indien sind überwiegend kleine bis mittelständische Betriebe, die in den Zentren oder Randbezirken der grossen Städte ansässig sind. Unter diesen Druckereien gibt es ein Unternehmen, das wegen seines gut gestalteten Werkgebäudes, seiner modernen Maschinen und vor allem wegen seines Managementstils hervorsticht. Manfred Goretzki hat sich bei Letra Graphix in Ahmedabad umgesehen.

Letra Graphix Pvt. Ltd. wurde 1997 in Ahmedabad, dem wirtschaftlichen und industriellen Mittelpunkt des westindischen Bundesstaats Gujarat, gegründet. Früher war die Stadt als Zentrum der Textilproduktion so berühmt, dass sie das „Manchester Indiens“ genannt wurde. Heute sind Textilfabriken dort aber ebenso rar wie im wirklichen Manchester. Ahmedabad hat sich gewandelt und ist jetzt führend in der Produktion von Pharmazeutika, Elektronik und anderen Industriegütern, die meist auch eine Etikette und eine Verpackung brauchen. In diesem Umfeld wirkt Letra Graphix heute mit Erfolg.

Die Vitrinen und Wände bei Letra Graphix sind voller Trophäen und Auszeichnungen. Nirav (links) und Kamlesh Shah sind stolz auf diese Erfolge.

Das Unternehmen hat jüngst eine neue Gallus Schmalbahndruckmaschine EM 340 S installiert, welche die zwei bereits vorhandenen Gallus Druckmaschinen ergänzen und unterstützen soll. Beim Besuch unseres Korrespondenten in Ahmedabad hatte das Bedienerteam von Letra Graphix gerade seine Schulung absolviert und war dabei, eine Reihe von Testläufen auf der Gallus EM 340 S durchzuführen. Etikettendruckereien in Indien müssen nämlich im Bereich der Stromversorgung und des Klimas oft mit Bedingungen zurechtkommen, die sich von denen vieler Länder stark unterscheiden. Auch wenn die Stromversorgung in Ahmedabad als zuverlässig gilt, ist z.B. bei Letra Graphix ein Notstromgenerator ebenso erforderlich wie eine Reihe von Transformatoren und Kompensatoren zum Ausgleich von Schwankungen in der Stromstärke. Plötzliche Überspannungen könnten nämlich die empfindlichen Servomotoren der Druckmaschinen beschädigen. Auch gilt es, die extremen klimatischen Bedingungen vor Ort zu berücksichtigen.

Vom Agenten zum Hersteller

Schon lange bevor sich Letra Graphix auf den Etikettendruck verlegte, war das Unternehmen in der Etikettenbranche tätig. Anfänglich fungierte Letra Graphix nur als Agent, der Bestellungen von Etikettenkunden entgegennahm, Druckereien mit dem Druck dieser Etiketten beauftragte und später auch den Materialeinkauf tätigte. Als Agent konnte das Unternehmen allerdings weder für die Qualität noch für die Lieferzeiten der Etiketten volle Garantie übernehmen. Deshalb schlug einer seiner grössten Kunden, ein Hersteller von Blutbeuteln, Letra Graphix schliesslich die Gründung eines eigenen Druckbetriebs vor. Es waren nicht zuletzt auch die Anforderungen und hohen Erwartungen dieses Kunden, welche die Werte des Unternehmens vorgaben, denen man bis heute treu geblieben ist: garantierte Qualität und strikte Einhaltung aller Kundenanforderungen.

Die Druckerei startete mit einer herkömmlichen 254-mm breiten Druckmaschine mit vier Farben, die später zu einer Sechsfarbenmaschine aufgerüstet wurde. Der verstärkte Zufluss der Kundschaft aus der Pharmaindustrie und der Automobilindustrie, wo spezielle säurebeständige Etiketten für Batterien benötigt wurden, erforderte nur sieben Jahre nach dem ersten Druckmaschinenkauf die Anschaffung einer zweiten Maschine. So wurde 2005 eine Gallus EM 280 mit Servoantrieb und UV-Einheiten in Betrieb genommen. Noch einmal vier Jahre später, im Jahr 2009, wurde diese Maschine durch eine weitere 12-Farben Gallus EM 280 ergänzt.

2011 schliesslich kam es zur jüngsten Anschaffung einer Gallus EM 340 S. Die immer kürzeren Abstände zwischen den Maschinenkäufen zeugen davon, mit welchem Erfolg das Unternehmen neue Kunden gewinnt und sein Leistungsangebot ausbaut. Alle Maschinen sind heute mit UV-Trocknern, Stanzwerken und Kühleinheiten für die Bedruckung von Kunststofffolien ausgestattet.

Kamlesh Shah und seine neuste Investition, eine Neunfarben-Gallus EM 340 S.

Erstklassiger Ort für die Postproduktion

Letra Graphix legt auch grossen Wert auf die Postproduktion. Die gedruckten Etikettenrollen werden entweder von Hand oder offline auf Inspektions- und Schneidemaschinen einer akribischen Kontrolle unterzogen. In Europa erfolgt diese Kontrolle häufig inline, doch in Indien wird sie normalerweise offline oder sogar manuell durchgeführt. Die Mehrzahl der etwa 60 Mitarbeitenden des Unternehmens ist deshalb mit verschiedenen Aufgaben in der Postproduktion beschäftigt. Letra Graphix verfügt auch über ein Testlabor, in dem Etiketten gemäss den Kundenanforderungen rigorosen Tests unterzogen werden. So können zum Beispiel die Scheuerfestigkeit einer Etikette, ihre Reissfestigkeit oder ihre Beständigkeit gegen verschiedene chemische Substanzen geprüft werden. Die im Werk eingehaltenen Standards sind dieselben, die weltweit gelten. Das Unternehmen ist folglich nach ISO 9001:2000 zertifiziert und wurde schon mit einer Vielzahl von Preisen für technische Spitzenleistungen ausgezeichnet , so z. B. mit den „Asian Print Excellence Awards“ der Asian Flexographic Technical Association (AFTA) für Sauberkeit und konsequente Qualitätskontrolle oder mit zahlreichen Auszeichnungen der FINAT für herausragende Druckprodukte.

Heute laufen bei Letra Graphix ausschliesslich Druckmaschinen von Gallus.

Letra Graphix ist sehr optimistisch, was die Entwicklungen auf dem indischen Etikettenmarkt und seine Position auf demselben angeht. Beim Anbau seines neuen Drucksaals für die jüngste 9-Farben-Druckmaschine hat das Unternehmen deshalb gleichzeitig auch ein benachbartes Grundstück erworben, um weitere Expansionen zu ermöglichen.

Der Kundenstamm von Letra Graphix, zu dem Unilever, L’Oréal und andere internationale Konzerne zählen, kann sich schon heute sehen lassen, und die Produkte dieser Konzerne – versehen mit Etiketten der Druckerei aus Ahmedabad – sind überall im immer dichter werdenden Netz der indischen Supermärkte zu finden. Letra Graphix beliefert aber nicht nur Kunden in ganz Indien, sondern exportiert auch in andere Länder Asiens und nach Afrika. Die Aussichten für ein Wachstum der Etikettenbranche in Indien sind zudem sehr gut: In den USA beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch an Etiketten 100 US-Dollar, während er in Indien bei nur umgerechnet 15 US-Dollar liegt. Dieser Spielraum sollte Letra Graphix auch in Zukunft ein Wachstum und eine Erweiterung seines Drucksaals ermöglichen.

www.letragraphix.com

Der Artikel wurde freundlicher Weise von NarroWebTech zur Verfügung gestellt.
Autor: MANFRED GORETZKI, Freiberuflicher Journalist für die graphische Industrie, Esch-Sauer (Luxemburg)


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