Ausgabe 31 / September 2012

„The centre of gravity moves south and east – seen from central Europe“ oder: Die zunehmende globale Bedeutung der Schwellenländer

Dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte wird eine über 200 Jahre alte Aussage zugeschrieben, die da lautet:
„Lasst China schlafen, denn wenn der Drache erwacht, wird die Welt erbeben.“
Mittlerweile ist China hellwach, aber nicht nur China…

Verdreifachung der Weltwirtschaftsleistung seit 1990
Die nominale Entwicklung der Weltwirtschaft – gemessen am Bruttosozialprodukt – hat sich seit 1960 alle 10 Jahre verdoppelt bis verdreifacht – mit Ausnahme der Periode von 1990 bis 2000 (siehe Grafik 1).

Grafik 1:

In den letzten zwei Dekaden hat sich in der Weltwirtschaft eine deutliche Gewichtsverlagerung vollzogen. Die Industriestaaten gelten zwar weiterhin als High Income Countries, ihre Dominanz schrumpft jedoch, wohingegen die Entwicklungsländer stark aufholen. So sind letztere die Treiber des globalen Wachstums geworden und konnten nicht zuletzt während der globalen Finanzkrise 2008/2009 ein stabilisierendes Gegengewicht zu den rezessionsgeplagten Industriestaaten bilden. Etliche Entwicklungs- und Transformationsländer werden inzwischen aufgrund ihres erreichten Entwicklungsniveaus und der weiteren guten Perspektiven als Schwellenländer bezeichnet.

Als solche werden in diesem Artikel die in den G20 vertretenen Nicht-Industriestaaten verstanden - also die zehn Länder Argentinien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und die Türkei.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer ist beeindruckend

Das reale BIP der Schwellenländer ist seit 1990 um 340 % gestiegen, erheblich stärker als jenes der Welt insgesamt (+97 %) und der Industriestaaten (+55 %). Entsprechend hat das globale Gewicht der Schwellenländer zugenommen: Betrug ihr Anteil am Welt-BIP 1990 noch 22 %, waren es 2010 bereits 31 % (siehe Grafik 2). Analog hat das Gewicht der Industriestaaten von fast zwei Dritteln auf nur noch die Hälfte abgenommen. Besonders markant war der Wachstumsunterschied während der globalen Finanzkrise. Der Wachstumseinbruch der Industriestaaten führte 2009 zu einer Schrumpfung des Welt-BIP um 0,5 %. Ohne das Wachstum der Schwellenländer von 3,8 % wäre das Welt-BIP noch deutlich stärker abgestürzt. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass immerhin fünf der betrachteten zehn Schwellenländer im Jahr 2009 ebenfalls einen BIP-Rückgang verzeichneten. Vor allem China, Indien und Indonesien, auf die zwei Drittel des Schwellenländer-BIP entfallen, haben in der Krise mit ihrem robusten Wachstum die globale Konjunktur massgeblich gestützt.

Grafik 2: Weltmarktanteile der Schwellenländer in Prozent


Die Beobachtung eines überdurchschnittlichen Wachstums seit 1990 ist umso bemerkenswerter, als die Wirtschaftsentwicklung der Schwellenländer innerhalb dieses Gesamtzeitraumes durchaus nicht einheitlich aufwärts verlief. Lediglich China und Indien sind in jedem Jahr kontinuierlich gewachsen. Alle anderen Schwellenländer erlebten temporäre Wirtschaftskrisen mit BIP-Einbrüchen (Argentinien 2002, Mexiko 1995 und 2001, Südafrika bis 1992, Türkei 2001, Indonesien in der Asienkrise 1998) bzw. im Zuge der globalen Finanzkrise 2009.

Der Schwellenländeraufstieg hat erhebliche Bedeutung für die Weltwirtschaft bzw. die Industriestaaten

Einerseits hat der wirtschaftliche Aufstieg in den Schwellenländern zur Herausbildung einer recht grossen, kaufkräftigen Mittelschicht geführt, welche die Nachfrage nach „modernen“ Konsumgütern anhebt. Das  Anwachsen dieser Mittelschicht dürfte sich nach heutigen Erkenntnissen mittelfristig fortsetzen – ja in China zwischen 2010 und 2020 sogar verdoppeln. 

Andererseits ist das Wirtschaftswachstum auch mit einem erheblichen Nachfragezuwachs bei den Investitionsgütern verbunden. Hiervon profitieren dann vor allem die Industrieländer: Ihre Exporte in die Schwellenländer stiegen im Zeitraum 1995–2010 um 315 %.

Fazit

Die Schwellenländer haben sich seit 1990 wirtschaftlich sehr dynamisch entwickelt.

Nach einer Einschätzung von Global Insight wird sich der Anteil der Schwellenländer am Welt BIP von 31% in 2010 auf 39% in 2020 verändern (Grafik 3).

Grafik 3:

Die Entwicklung des Etikettenmarktes, insbesondere der Selbstklebeetikettentechnologie, folgt trendmässig der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die vergangenen 20 Jahre zeigen ein um jeweils 2-5% stärkeres Wachstum für den Etikettenmarkt im Vergleich zum  jeweiligen Bruttosozialprodukt einer Region. Auch im Etikettenmarkt kommt den Schwellenländern also eine wachsende Bedeutung zu. (Grafik 4)

Grafik 4:

Gallus hat sich auf diesen Trend ausgerichtet, indem in der Periode von 2010 bis 2012 in wichtigen Ländern / Subregionen der Schwellen- und Transformationsländer sogenannte Gallus Sales Center (also lokale Vertriebs- und Serviceorganisationen) eingerichtet wurden (vgl. Beiträge in GIT 29, 30 und 31).

Damit verfolgt Gallus das Ziel, mit lokalen Mitarbeitern so nahe wie möglich beim Kunden zu sein und Kompetenz in allen relevanten Aspekten des Verkaufs, des Services und der Anwendungsberatung direkt in die lokalen Märkte zu bringen.


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