Ausgabe 30 / Juni 2012

Wichtige Einflussfaktoren des Flexodruckverfahrens (Teil 1 von 2)

Der Flexodruck gehört im Etikettendruck zu den wichtigsten Druckverfahren. Hohe Druckgeschwindigkeiten, herausragende Farbbrillanz, feinste Auflösungen und eine sehr gute Fortdruckkonstanz sind nur einige wenige Gründe, weshalb sich dieses Verfahren immer grösserer Beliebtheit erfreut. Exzellente Druckergebnisse sind jedoch nur erzielbar, wenn optimale Druckbedingungen vorliegen und einige Grundregeln eingehalten werden. In einem zweiteiligen Artikel soll deshalb näher auf die Merkmale sowie die wichtigsten Einflussfaktoren des Flexodruckverfahrens eingegangen werden.

Konventionelles Tauchwalzen-Flexodruckwerk

Das konventionelle Tauchwalzen-Flexodruckwerk besteht aus vier Zylindern. Die dünnflüssige Flexodruckfarbe wird mittels einer Gummi-Tauchwalze in die feinen Näpfchen der Rasterwalze übertragen, wobei die überschüssige Druckfarbe auf der Rasterwalze von einem Stahlrakelmesser abgestreift wird.

Die flexible Fotopolymer-Druckplatte berührt die Rasterwalze, wodurch etwa die Hälfte der Druckfarbe, die sich in den Näpfchen befindet, übertragen wird. Die erhöhten Stellen der Flexodruckplatte transportieren die Druckfarbe anschliessend auf den Bedruckstoff.

Kammerrakel-Flexodruckwerk

Das konventionelle Tauchwalzen-Flexodruckwerk wurde in jüngerer Vergangenheit immer häufiger vom Kammerrakel-Flexodruckwerk verdrängt.

Das Kammerrakel-Flexodruckwerk besteht aus nur noch drei Zylindern und das gesamte Verfahren wird daher als sehr bedienerfreundlich und relativ einfach eingestuft. Die Tauchwalze sowie die Farbwanne wurden im Vergleich zum Tauchwalzen-Flexodruckwerk komplett durch das sogenannte Kammerrakel ersetzt. Dadurch lassen sich deutlich höhere Druckgeschwindigkeiten ohne Farbspritzer erzielen.

Wichtige Einflussfaktoren für eine hohe Druckqualität

Auch wenn das Flexodruckverfahren auf den ersten Blick einfach wirkt, müssen doch etliche druckspezifische Faktoren stimmen, damit schliesslich eine hohe Druckqualität erzielt wird. Für einen Flexodrucker ist es wichtig, dass er neben einigen anderen wichtigen Einstellmöglichkeiten insbesondere auch  folgende Einflussfaktoren versteht:

- Rastertechnik
- Zusammenspiel von Klebeband und Druckplatte
- Druckzustellungen
- Rasterwalze und Abrakelung

Im vorliegenden ersten Teil des Artikels über die wichtigen Einflussfaktoren des Flexodrucksverfahrens soll nachstehend näher auf den Einflussfaktor Rastertechnik eingegangen werden. Im nächsten Gallus In Touch werden dann die weiteren Einflussfaktoren im Detail behandelt.

Raster

Durch die Grundfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black sind theoretisch alle Farben vorhanden, um in einer Druckmaschine fotorealistische Bilder zu erzeugen. Nimmt man eine Lupe zur Hand und untersucht ein im AM-Raster gedrucktes Bild, so erkennt man verschieden grosse Rasterpunkte in eben diesen Grundfarben (siehe die nachstehende Abbildung Buddhas).

Die Rasterweite

Die Feinheit des Rasters wird Rasterweite (engl. Screen Ruling) genannt und sagt aus, wie viele Rasterpunkte auf einer Länge von 1cm liegen. Grundsätzlich werden hohe Rasterweiten gewünscht, es darf dabei jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass dadurch die Druckschwierigkeiten zunehmen. Insbesondere die Fortdruckkonstanz verschlechtert sich bei der Verwendung von höheren Rasterweiten.

Für den UV-Flexodrucker sind Rasterweiten im Bereich von 70 L/cm realistisch.

Der Rasterwinkel
Neben der Feinheit spielt beim AM-Raster auch die Anordnung der Rasterpunkte eine grosse Rolle, ausgedrückt in Rasterwinkel. Stimmen die Rasterwinkelungen zwischen den einzelnen Grundfarben CMYK nicht, entstehen störende Moirébilder (Interferenzen) im Rasterdruck.

Um diese störenden Muster im Rasterdruck zu vermeiden, sollte folgende Grundregel eingehalten werden:

Die Differenz zwischen den Rasterwinkeln von Cyan, Magenta und Black soll 30° betragen. Der Rasterwinkel von Yellow muss 15° von Cyan oder Black abweichen und kein Rasterwinkel darf auf dem Gravurwinkel der Rasterwalze zu liegen kommen (welcher meist bei 0 / 60° liegt)!

Rasterart und Bebilderungstechnik

Neben der Rasterweite und der Rasterwinkelung spielen auch die Rasterart (AM-Raster, FM-Raster, HD-Raster, etc…) sowie die Bebilderungstechnik eine grosse Rolle in Bezug auf die erzielte Flexodruckqualität.

Oft werden bezüglich der Rasterart und Bebilderungstechnik auch Begriffe wie "HD-Flexo" oder "Kodak Flexcel NX" genannt. Diese Thematik wurde bereits ausführlich in den vorgängigen Ausgaben Gallus In Touch 24 / Dezember 2010 und 25 / April 2011 beschrieben, weshalb in diesem Artikel von einer Behandlung dieses Themas abgesehen wird.

Gallus unterstützt seine Kunden gerne mit Materialempfehlungen, Schulungen, Service und drucktechnischer Hilfe. Kontaktieren Sie uns, gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung.


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