Ausgabe 30 / Juni 2012

Sleeve-Etiketten – Trends und deren Herausforderungen

Der Sleeve-Etiketten-Markt wächst weltweit schneller als irgendeine andere Etikettierungstechnologie. Der Aufschwung der Sleeve-Etiketten lässt sich u.a. durch die Einführung von neuen Etikettenmaterialien und Etikettierungstechnologien sowie den damit verbundenen Kosteneinsparungen bei der Etikettenproduktion erklären. Der Erfolg der Sleeve-Etiketten stellt die Verpackungs- und Etikettierungsindustrie aber auch vor neue Herausforderungen, z.B. dann, wenn PET-Flaschen mit Sleeve-Etiketten rezykliert werden sollen. Dieser Artikel soll Ihnen deshalb mehr Informationen über die Sleeve-Etiketten geben.

Einleitung

Allgemeine Informationen über die Sleeve-Etikettierungstechnologie unter Einschluss des Bedruckstoffes, des Druckes und der Weiterverarbeitung usw. finden sich in einer früheren Ausgabe von Gallus In Touch (Ausgabe 3 / April 05) und sollen deshalb hier nicht mehr erörtert werden.

Die Etikettenbranche hat sich nach der Wirtschaftskrise sehr schnell erholt und wird weltweit um 5% wachsen, wobei das grösste Wachstum  von den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) erwartet wird. Die Wachstumsrate für Sleeve-Etiketten ist weltweit sogar auf 8–10 % veranschlagt worden. Die Abbildung 1 zeigt den prozentualen Anteil der einzelnen Etikettierungstechnologien. 2010 sind weltweit 43,4 Milliarden m2 Etiketten-Bedruckstoff verbraucht worden.


Abbildung 1: Weltmarktanteil nach Etikettierungstechnologie (2010)      

Anwendungsbereiche der Sleeve-Etikette

Sleeve-Etiketten werden heute in allen Bereichen der schnell umschlagenden Konsumgüter des täglichen Lebens verwendet. Die wichtigsten Anwendungsbereiche sind Getränke (siehe Abbildung 2), gefolgt von Industrie, Haushalt, Lebensmitteln und HSK (Haarpflege, Schönheit und Kosmetik).


Abbildung 2: Anwendungsbereiche der Sleeve-Etikette im Vergleich zur Selbstklebeetikette und deren Markdurchdringung in % (Quelle: AWA)

SAL = Selbstklebeetiketten
Sleeve = Sleeve-Etiketten
Food = Lebensmittel
Beverage = Getränke
HBC = Haarpflege, Schönheitspflege und Kosmetik
Industrial = Industrie
Homecare = Haushalt

Neue Schrumpf-Sleeve-Etiketten-(SSE-)Bedruckstoffe

Bisher auf dem Markt erhältliche SSE-Bedruckstoffe sind in Traversrichtung schrumpfbar und werden in einem separaten Arbeitsschritt zu einem Schlauch für die Weiterverarbeitung auf der Etikettiermaschine vorgeformt.

Nun sind auch neue PET- und OPS-Bedruckstoffe eingeführt worden, die in Maschinenrichtung geschrumpft werden können. Der grösste Vorteil dieser Folien besteht darin, dass kein Schlauch separat vorgeformt werden muss, was die Kosten pro Etikette reduziert. Die Schritte der Etikettenverarbeitung mit diesen neuen Folien sind folgende: Bedrucken, Längsschneiden und Versand. Die bedruckte Flachfolie wird dann direkt in der Etikettiermaschine auf einem Dorn mit einem Laserstrahl geschnitten und zu einem Schlauch geformt. Danach wir der Schlauch auf den Behälter oder die Flasche gestülpt, welche durch einen Schrumpftunnel geführt werden. Dabei schrumpft die Etikette und nimmt die Form des Behälters an.

Neue Stretch-Sleeve-Etikettierungstechnologie

Bisher war die Anwendung der Stretch-Sleeve-Technologie aus den folgenden Gründen nicht weit verbreitet:

a) Die Stretch-Eigenschaften waren sehr schlecht, weshalb diese Technologie nicht für alle Flaschenformen anwendbar war

b) Die Transparenz des Bedruckstoffes war für zahlreiche Anwendungen ungenügend.

Abbildung 3: Beispiel einer mit einer Stretch-Sleeve-Etikette versehenen Flasche

Die neue Technologie wurde aufgrund einer Zusammenarbeit zwischen einem führenden Etikettenhersteller und dem Marktführer für Etikettiermaschinen entwickelt und hat beide Nachteile der bestehenden Stretch-Sleeve-Etikette beseitigt. Das neue Foliensubstrat ist sehr klar und um bis zu 55 % dehn- bzw. schrumpfbar, was für 70 % aller Sleeve-Etiketten-Anwendungen genügt. Zudem wird zum Schrumpfen der Etikette kein Schrumpftunnel mehr benötigt.

Herausforderungen

Migration von Farbbestandteilen in den Inhalt: Aus Kostengründen und um die Umweltauswirkungen zu reduzieren, besteht die Tendenz, am Verpackungsmaterial zu sparen, d.h. die Wände der Behälter und Flaschen werden immer dünner. Dies hat u.a. zur Folge, dass Farbbestandteile einfacher und schneller migrieren können, wenn der Kunststoffbehälter nicht aus einem Barrierematerial besteht.

Alle Sleeve-Etiketten-Folien werden auf der Rückseite bedruckt, so dass die Druckfarben  wie eine zweite Haut in direktem Kontakt mit der Behälteroberfläche stehen. Die ungehärteten Oligomere bzw. Monomere und nicht-gehärteten PIs (Fotoinitiatoren) von UV-Farben können so leicht in den Flascheninhalt migrieren. Für Farben auf Lösungsmittelbasis gilt zudem: ist der im Druck übrig gebliebene Lösungsmittelgehalt höher als erlaubt, migriert er ebenfalls in den Flascheninhalt.

Da Sleeve-Etiketten in der Lebensmittel-, Getränke- und Kosmetikbranche Anwendung finden, ist es deshalb ratsam, migrations- und geruchsreduzierte UV-trocknende Farben zu verwenden. Auch muss der Etikettendrucker dafür sorgen, dass die UV-Farben richtig getrocknet werden. Bei der Verwendung von Farben auf Lösungsmittelbasis muss zudem sichergestellt werden, dass die verbrauchten Lösungsmittel, insbesondere die langsameren, aus dem Druck heraus verdampft werden. Der globale Trend für den Migrationsgrenzwert geht in Richtung 10 ppb (Teile pro Milliarde). In einigen Ländern bestehen bereits Vorschriften, welche den Wert so festlegen, in anderen werden solche Regelungen folgen, da die Konsumentenschutz- und Sicherheitsorganisationen Druck auf die Regierungen ausüben. Weitere Informationen darüber finden sich in der Gallus In Touch Ausgabe 25 / April 2011.

PET-Rezyklierung: Da der PET-Bedarf in den Schwellenländern rapide zunimmt,  besteht ein weltweiter Mangel an PET. Gebrauchte PET-Behälter und -Flaschen sind deshalb ein wichtiges Rohmaterial und, statt sie zu verbrennen oder in einer Deponie endzulagern, nehmen die weltweiten Rezyklierungsanstrengungen zu. Das Ziel dieser Aktivität ist die „Flasche-zu-Flasche“-PET-Rezyklierung. Die Etiketten-Bedruckstoffe wie PVC, PET-G und OPS bereiten aber gerade im PET-Rezyklierungsprozess Probleme. Wegen der ähnlichen spezifischen Dichte des Flaschen- und Behältermaterials ist es nicht möglich, die Etiketten im Schwimm-Sink-Prozess von den Flaschen zu trennen. Wenn die lokalen Regierungen mehr Druck auf die PET-Industrie ausüben, wird diese andere Etikettenmaterialien oder eine andere Etikettierungstechnologie anwenden müssen. Auf dieses Thema wurde in der Ausgabe 27 / September 2011 von „Gallus In Touch“ bereits näher eingegangen.


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